Ein Text von: Maximilian Brauer, Sandra Drozdowski, Dominik Rath, Miriam Winklhöfer…

Das Spannungsfeld zwischen den politischen Aufgaben von Umweltpolitik und sozialer Gerechtigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung- aber auch gleichzeitig an Brisanz. So steht, im Zuge der Globalisierung, vor allem die internationale (Umwelt)Politik vor neuen Herausforderungen, die nicht nur die ökologischen und ökonomischen Überlebensbedingungen betreffen, sondern zugleich auch die Sozialen. Immer häufiger wird von einer weltweiten sozialen Ungleichheit gesprochen, welche sich geographisch betrachtet zwischen der Nord- und Südhalbkugel aufspaltet (vgl. Hamm 2006: 53).
Generell lässt sich zunächst die internationale Umweltpolitik vor dem Hintergrund des ökologischen Wiederspruches des Kapitalismus betrachten. Zweck oder Ziel kapitalistischer Produktionen ist nicht die Herstellung von alleinigen Gebrauchswert, sondern vielmehr eine Realisierung von Mehrwert. Für eine solche Produktion und Herstellung von Mehrwert muss ein bestimmtes Bedürfnis befriedigt werden, damit es überhaupt zu einer Nachfrage von Ware kommen kann. In diesem Punkt steht die kapitalistische Produktionsweise in einem Paradoxon der Natur: Sie transformiert Natur in einem Ausmaß und mit einem Entwicklungsgrad der Produktivkräfte wie keine andere Produktionsweise vor ihr, ist mithin unter stofflichen Gesichtspunkten hochgradig abhängig von Natur und macht sich deren besondere Qualität zunutze. Gleichzeitig abstrahiert sie von diesen Abhängigkeiten, ist also gleichgültig gegenüber den räumlichen und zeitlichen Besonderheiten von Natur. Als Beispiel hierfür lassen sich der überdurchschnittliche Gebrauch von Erdöl, Erdgas oder Kohle nennen, deren Nachfrage nach wie vor stark vorhanden ist, also eine Abhängigkeit der Natur somit immer noch gegeben ist (vgl. Wissen 2010: 31). Gleichzeit steht die Welt aber vor einem „Peak“ und der damit verbundenen Problematik, die eine versuchte Mehrwertproduktion mit sich bringt. Eine ökonomische Wachstumsgrenze als auch die ökologische scheint erreicht, wenn nicht sogar überschritten worden zu sein (vgl. Hamm 2006: 57). Allein schon in dieser Produktionsweise ist ein globales Ungleichheitsverhältnis zu beobachten, wenn man anmerkt, dass es der “globale Norden“ ist, der überdurchschnittlich auf solche natürlichen Ressourcen zurückgreift und die Zugänge dafür sich im häufig “globalen Süden“ befinden.

Die globale Umweltungleichheit nimmt mit Klimawandel zu
Auch die Folgen einer solchen überdurchschnittlichen, auf den Mehrwert orientierten Nutzung machen sich ungleich (man könnte auch sagen ungerecht) global spürbar. Die heutige Welt steht dem Klimawandel und weiteren ökologischen Katastrophen gegenüber, worunter allerdings die Entwicklungsländer mehr als die Industrieländer leiden (vgl. Beck 2007). So ist durch den rasant erhöhten Co2- Anstieg (welcher ebenso eine Folge der Nutzung von Erdöl/Erdgas ist) die Existenz beispielsweise vieler kleiner Inseln im Südpazifik, bedroht. Durch die Erderwärmung ist überall auf der Welt ein Anstieg des Meeresspiegels, vermehrte und stärkere Stürme, sowie Erosionen zu erfassen, welche nicht nur ökologisch gesehen den Inseln schaden, sondern auch ökonomisch, da diese meist stark vom Tourismus abhängig sind, wie die Inselgruppe Tuvalu. Allerdings verursachen solche Inseln meist kaum einen hohen CO2-Ausstoß (vgl. Tagesschau 2009). Auch ganze Kontinente wie Afrika sind stärker betroffen als die vom Neoliberalismus geprägten nördlichen Kontinente, wie Europa oder Nordamerika. So werden laut UN-Klimabericht bis 2020 75 bis 220 Millionen Menschen in Afrika von starkem Wassermangel betroffen sein, was, neben dem Tod, als weitere Folge ebenso einen rasanten Rückgang landwirtschaftlicher Nutzungsfläche mit sich trägt. Um solchen Katastrophen entgegenwirken zu können fehlt zudem (gesondert in Entwicklungsländern) das Geld, was den eigentlichen Schaden auch sozialpolitisch gesehen in die Höhe treiben lässt (vgl.ebd.).

Auch regionale und nationale Folgen der Ungleichheit spürbar
Obwohl der globale Süden schwerer mit den jetzt schon merklichen Folgen des Klimawandels zu kämpfen hat, bleibt der Norden nicht ganz unberührt. Davon abgesehen, dass die ökonomischen Einbussen des Südens, ebenso im Zuge der globalisierten Marktwirtschaft, Europa und andere Kontinente betrifft, ist auch in nördlichen Teilen der Welt der Klimawandel direkt messbar. Überflutungen nehmen zu, Tier- und Pflanzenarten sterben aus oder neue finden sich in betroffenen Regionen heimisch, weniger Schneegefälle usw. sind nur einige Bespiele, die den Norden direkt betreffen (vgl. ebd.). Die Klimapolitik, welche durch teure Klimaschutzmaßnahmen versucht dem entgegen zu wirken, schafft hier neues Potential einer gesellschaftlichen Teilung zwischen Arm und Reich (vgl. Beck 2007). Nicht nur wie schon angesprochen zwischen Nord und Süd, Nein, auch innerhalb der jeweiligen Regionen und Länder. So wird beispielsweise über einen privaten Emissionshandel diskutiert, welcher einen begrenzten CO2-Ausstoß vorsieht und einen grenzüberschreitenden extra vergüten lassen will. Eine wohlhabendere Gesellschaftsklasse könnte sich dies leisten, eine einfache Arbeiterklasse wohl eher weniger (vgl. ebd.). Diese könnten dann im Rückschluss, nicht mehr mit dem Auto überall dort hinfahren, wohin sie wollen, selbst der Weg zur Arbeit könnte hier mit zur Last fallen. Eine nur auf den Klimaschutz und neoliberal orientierte Geopolitik, würde also auch an dieser Stelle gesellschaftliche Ungleichheiten hervorheben.

Für eine erfolgreiche globale Umweltpolitik reicht es mittlerweile nicht aus lediglich Maßnahmen für den Klimaschutz als solches zu suggerieren oder nur auf den „grünen Kapitalismus“ umzuschalten. Die internationale Umweltpolitik muss sich ebenso gezwungen sehen sozialpolitisch zu agieren, um so ganzheitlich die Folgen des heutigen Klimawandels greifen und erfolgreich minimieren zu können.
Quellenverzeichnis

Beck, Ulrich. 2007. Klimapolitik bringt neue Ungleichheit, in Taz. Die Tageszeitung. (Interview) Koch, Hannes. http://www.taz.de/!297584/. Letzter Zugriff am: 05.01.2017

Hamm, Bernd. 2006. Die soziale Struktur der Globalisierung, Berlin: Kai Homilius Verlag

Tagesschau (online). 2009. UN-Klimabericht – Die Folgen des Klimawandels für die Kontinente, https://www.tagesschau.de/ausland/ipcc104.html. Letzter Zugriff am: 05.01.2017

Wissen, Markus. 2010. Klimawandel, Geopolitik und »imperiale Lebensweise«, in Kurswechsel. Wien: Sonderzahl Verlagsges.m.b.H.

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