Ein Text von: Jakob Weinreich, Christoph Klakus, Alexander Nolte, Christopher Frank Schütz…

Bildbeschreibung: Das Bild ist eine Karikatur, auf der die Kontinente Europa und Afrika abgebildet sind. Auf europäischer Seite liegt ein dickbäuchiger Klient bei seinem Therapeut auf der Untersuchungscouch und beklagt sich darüber, dass sein Lebensstandard nicht mehr wächst. Auf dem afrikanischen Kontinent sieht man hingegen eine sehr dünne Person mit einer Gartenkralle in der Hand, die mit großen Augen Richtung Europa schaut.

Die Ringvorlesung „Welt aus den Fugen“ neigt sich dem Ende und damit auch das Projekt des Verfassens von BloG-Beiträgen zu diesem Thema. Unser Schwerpunkt lag dabei in der Betrachtung von möglichen Fluchtursachen, die als Folge von Entwicklungsprojekten und der Globalpolitik des Neoliberalismus entstanden sein können. Um eine adäquate und objektive Berichterstattung gewährleisten zu können war es wichtig, in unserem ersten Beitrag, „Zur Theorie und Praxis des Neoliberalismus: Bedeutung und Realität für Entwicklungsländer“, einen passenden Einstieg zu finden. Das wollten wir bei einem so komplexen Thema über eine Situationsbeschreibung und dem Erklären von Fachtermini wie „Neoliberalismus“ lösen. In diesem fünften BloG-Beitrag soll es nun darum gehen, die Ergebnisse all unserer Beiträge zusammenzutragen, um auf ein Fazit und möglichen Ausblick hinleiten zu können.

 

Rückschau:

Diese Situationsbeschreibung im ersten Beitrag sollte in erster Linie die Frage beantworten, was die Gründe dafür sein können, dass Menschen in lebensriskanter Weise aus ihrer Heimat fliehen. Unser Fokus lag dabei auf der Flüchtlingssituation wie sie auch in der Tagesschau vom 29. Mai 2016 geschildert wurde. Wir möchten an dieser Stelle auch auf ein Video des Kabarettisten Serdar Somuncu verweisen, der dort mit sehr deutlichen Worten und frei von jeglichem Humor eine Antwort auf diese Frage zu geben versucht.

Im weiteren Verlauf sollte dem Leser nun Gelegenheit gegeben werden, sich über Details dieser Fluchtursachen informieren zu können. Wir wählten daher für den zweiten bis vierten Beitrag die Themen globaler Handel und Ungleichverteilung von Kapital(strömen) (Beitrag 2), Neoliberalismus in der Rolle des Neokolonialismus am Beispiel Landgrabbing (Beitrag 3) und Freihandel am Beispiel der African, Caribbean and Pacific Group of States (ACP) (Beitrag 4). Die jeweiligen Beiträge tragen etwas andere Titel, aus Gründen der trefflicheren Zusammenfassung haben wir uns aber für die hier geschriebene Variante entschieden, da diese eine schnellere Assoziation der zentralen Probleme ermöglicht, welche in den (jeweiligen) Blogeinträgen zum Ausdruck kommen:

  • Ungleiche Verteilung von Arbeitskraft (Süden) und Kapital (Norden),
  • Ausbeutung von Ressourcen und die damit verbundene Übereignung von Ländereien,
  • Freihandel mit der ACP-Group und die damit verbundene Existenzbedrohung für die Bevölkerung der ACP-Staaten,
  • Umweltbelastung.

Es wäre an dieser Stelle nicht zielführend, die einzelnen Punkte nochmal im Detail zu besprechen. Der zur Verfügung stehende Platz soll in diesem letzten Beitrag besser für ein Weiterdenken genutzt werden.

 

Weitergedachtes Fazit:

Man kann mit Recht behaupten, dass alle von uns aufgeführten Problemfelder einen neoliberalen Ursprung haben und im direkten Zusammenhang stehen. Sie sind vor allem auf den Abbau staatlicher Kontroll- und Überwachungsinstanzen, Deregulierung von Märkten und auf das raubtierkapitalistische, ausbeuterische Verhalten einiger reichen Länder und Großkonzerne zurückzuführen. Das neoliberale Wirtschaftsmodell (vergleiche hierzu: ‚Chicago Schule‘) verursacht im armen globalen Süden katastrophale Folgen für Mensch und Natur und hilft nur denen, die es zu verantworten haben.

Es ist richtig, dass diese Art der politischen Globalstrategie ein wesentlicher Faktor für Fluchtursachen ist. Aber es wäre falsch zu sagen, dass es nur daran liegt. Kriege und diktatorische Unterdrückung, Hungersnöte und Krankheiten sind ebenso wesentliche Gründe dafür, weshalb sich Menschen in dieser Welt auf die Flucht begeben (vergleiche hierzu: ‚World Health Statistics‘ der WHO, auch: ‚Konflikte als Fluchtursache‘ des Netzwerks für Flüchtlingsforschung).

Somit wäre es vermessen zu sagen, dass wir den Kapitalismus in seiner aktuellen Form autonom verändern müssen, damit sich dann wie von selbst alle Probleme der Welt lösen. Sondern die Frage muss sein, wie wir ihn so verändern können, dass andere Probleme der Welt auch davon profitieren. Ohne es wirtschaftsmathematisch bewiesen zu haben behaupten wir, dass bei einer solchen Variante die großen Nutznießer des Kapitalismus Abstriche machen müssten, worin wir gleichsam das größte Hindernis für eine entsprechende Veränderung sehen. Letztlich ist Geld ein wesentliches Werkzeug, um agieren zu können. Das Verwerfliche ist, was der Mensch daraus macht, bzw. gemacht hat.

 

Gedanken an die Leser:

Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag, der das Überdenken der gegenwärtigen Innen- und Außenpolitik zum Thema hat und dabei den Kapitalismus ins Zentrum stellt. Die Frage muss lauten: Wie können wir Menschen es als Gesamtheit schaffen, die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten so zu nutzen, dass alle Menschen profitieren? Die Begriffe Menschlichkeit, Moral und Schutz der Naturvielfalt müssen bei diesen Überlegungen höchste Priorität haben.

Wir (als Gesamtheit aller Menschen) dürfen und können uns nicht nur darauf verlassen, wonach Parlamente, Wirtschaftssubjekte und Organisationen streben. Jeder und jede Einzelne kann etwas tun, wenn man nur will. Es muss nicht das günstigste Lebensmittel sein, wir brauchen auch nicht jedes Jahr ein neues Handy – nur um ein paar wenige aber einfache gedankliche Anreize zu setzen. Denn ändern wir nichts und erklären Geld auch in Zukunft zu unserem höchsten Gut, dann wird sich unser Leben unaufhaltsam weiterentwickeln, hin zu einer endgültig aus den Fugen geratenen Welt.

Literaturempfehlungen:

Bildnachweis

http://www.bpb.de: „Mein Lebensstandard wächst nicht mehr!!!“. URL.: http://www.bpb.de/cache/images/6/8676-st-galerie.jpg?C2382. Letzter Zugriff: 02.02.2017.

 

Bücher, Dokumente und Beiträge

Tagesschau (2016): Schiffskatastrophen im Mittelmeer. UN befürchten Tod von 700 Flüchtlingen. URL.: http://www.tagesschau.de/ausland/mittelmeer-fluechtlinge-127.html. ARD Mediathek, letzter Aufruf: 07.02.2017.

Wirtschaftslexikon (2015): Chicago Schule. URL.: http://www.wirtschaftslexikon.co/d/chicago-schule/chicago-schule.htm, letzter Aufruf: 07.02.2017.

World Health Organisation (2017): World Health Statistics 2016. Monitoring Health for the substainable development goals. URL.: http://www.who.int/gho/publications/world_health_statistics/en/, letzter Aufruf: 07.02.2017.

Netzwerk Flüchtlingsforschung (2016): Konflikte als Fluchtursache, von Ulrike Krause. URL.: http://fluechtlingsforschung.net/konflikte-als-fluchtursache/, letzter Aufruf: 07.02.2017.

Stephan Schulmeister (2012): Mitten in der großen Krise. Ein „New Deal“ für Europa. Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien 2012.

Sarah Wagenknecht (2016): Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2016.

 

Videos

Serdar Somuncu (2017): Die Wahrheit über unsere Gesellschaft! URL.: https://www.youtube.com/watch?v=RBwcqO2Xc6o. YouTube, letzter Aufruf: 07.02.2017.

titel-thesen-temperamente (2017): Neuer Gesellschaftsvertrag. URL.: http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Neuer-Gesellschaftsvertrag/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=40303788. ARD Mediathek, letzter Aufruf: 07.02.2017.

Harald Lesch (2016): Die Ursache allen Übels. Das Geldsystem. URL.: https://www.youtube.com/watch?v=WqGWeWwYo9g. YouTube, letzter Aufruf: 07.02.2017.

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