Ein Text von: Paul Werner, Marc Wenzel, Lena Schilling…

Aus dem Bürgerkrieg in Syrien ist schnell ein Krieg geworden, bei dem sich nicht „nur“ innersyrische Parteien beteiligen. Neben den syrischen Akteuren, also den Regierungstruppen von Präsident Baschar Al-Assad, diversen Rebellengruppen und dem zum Teil syrischen Islamischen Staat, beteiligen sich auch nicht syrische Einheiten an den Kämpfen.

An erster Stelle sollen hier nun die beiden Staaten genannt werden, die nun eine Waffenruhe ausgehandelt haben. Diese ist aus unserer Perspektive als Erfolg zu werten, auch wenn sie brüchig ist und jeden Moment wieder zerfallen kann. Ausgearbeitet wurde sie von Russland und der Türkei. Russland steht Assad im Kampf als treuer Verbündeter beiseite. Im Gegensatz zur Türkei kämpfte Russland gegen Rebellengruppen, welche die Türkei hingegen unterstützt. Nur der Kampf gegen den Islamischen Staat war ein gemeinsames Anliegen von Präsident Assad und der Türkei (vgl. Wobe 2017).

Allerdings sind diese 4 Akteure noch nicht alle, welche im Kampf beteiligt sind. Gegen den Islamischen Staat kämpfen nicht nur die Türkei und Russland, sondern auch eine westliche Allianz unter der Führung der Vereinigten Staaten. Frankreich und das Vereinigte Königreich beteiligen sich mit Luftunterstützung an diesem Kampf, Deutschland stellt Aufklärungsflugzeuge bereit und unterstützt damit die Bombardements seiner Verbündeten (vgl. ebd.).

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Kampfeinheiten der kurdischen Bewohner. In Syrien ist das vor allem die YPG. Die Kurden haben im Norden Syriens eine Selbstverwaltungszone aufgebaut, nachdem sie in der Lage waren den Islamischen Staat aus weiten Teilen dieses Gebietes zu vertreiben. Unterstützt wurden sie dabei von der Luftwaffe der Vereinigten Staaten (vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg 2017).

Dem Präsidenten der Türkei sind diese kurdischen Einheiten ein Dorn im Augen, da er befürchtet, dass ein relativ großes, von Kurden kontrolliertes Gebiet entstehen könnte, nicht nur in Syrien, sondern auch im Süden der Türkei. Deshalb bekämpft er die YPG. Diese ist mit dem bewaffneten Arm der PKK (der türkischen, kurdischen Arbeiterpartei) eng verbunden. Die PKK kämpft derzeit in der Türkei gegen Erdogans Einheiten. Einige der Terroranschläge auf türkischen Boden sind wohl der PKK zuzurechnen (vgl.  Karasu 2016).

Die syrische Armee wird nicht nur von Russland unterstützt, sondern auch von dem Iran und der libanesischen Hisbollah. Während Russland in Syrien seit Jahren einen Partner in der Region sieht, unterstützen der Iran und die libanesische Hisbollah die syrische Regierung vor allem aus machtpolitischen Gründen.

Ein wichtiges Stichwort ist hier der schiitische Halbmond. Dieser soll sich vom Iran über den Irak und Syrien in den Libanon ziehen. Diese „Achse des Schiititsmus“ ist ein Ziel, das von der iranischen Regierung in Teheran verfolgt wird. Durch diesen schiitischen Halbmond soll der Einfluss Teherans gesichert werden. Deshalb passt es dem Iran auch sehr gut, dass die allermeisten Sunniten nach der Niederlage der Rebellen in Aleppo, die Stadt verlassen haben (vgl. Böhm 2017).

Es wäre falsch, diesen Konflikt auf den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten zu reduzieren, da es um mehr geht als um diese beiden Strömungen. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die meisten syrischen Rebellengruppen sunnitisch sind, während Assad ein Alawit ist. Die Alawiten stellen eine religiöse Gemeinschaft da, die dem Schiitismus zugeordnet werden kann (vgl. Blogbeitrag „Wer ist Baschar al-Assad?“). Der Iran als größter schiitischer Akteur in der Region möchte nicht, dass Assad die Herrschaft verliert und durch einen sunnitischen Präsidenten ersetzt wird. Die libanesische Hizbollah handelt wohl auf den Befehl des Iran (vgl. Raeger 2013).

Diesem Bündnis gegenüber stehen Saudi Arabien, die Türkei, Katar und die USA. Mit Ausnahme der USA sind all das sunnitisch geprägte und regierte Länder. Wie schon erwähnt: es ist kein Religionskrieg, aber trotzdem wird auch hier deutlich, welche Rolle die Religion in diesem Konflikt spielt (vgl. Auswärtiges Amt).

Wir hoffen, dass anhand dieses Beitrags erkennbar wird, wie kompliziert die Lage in Syrien ist. Dieser Konflikt ist mehr als „nur“ ein Bürgerkrieg. Viele verschiedene Parteien stehen sich in festen und weniger festen Koalitionen gegenüber. Jede von diesen Parteien verfolgt eigene, teilweise konträre Interessen. Das macht den Prozess der Friedensfindung in Syrien, aber auch in der gesamten Region, die mehr als nur diesen einen Krisenherd hat, ungemein schwer.

 

Quellen:

Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/Katar_node.html, http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Laender/SaudiArabien.html, http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Laender/Tuerkei.html, letzter Zugriff: 25.01.2017

Böhm, A. (2017): Von Frieden ist keine Rede. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/syrien-verhandlungen-astana/komplettansicht, letzter Zugriff: 25.01.2017

Karasu, K. (2016): Syrische Kurden-Miliz YPG: Verbündete oder Terroristen? Online unter: http://www.vorwaerts.de/artikel/syrische-kurden-miliz-ypg-verbuendete-terroristen, letzter Zugriff: 18.01.2017

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (2017): Der Islamische Staat (IS). Online unter: http://www.lpb-bw.de/islamischer-staat.html, letzter Zugriff: 16.01.2017

Raeger, Kinan/Tophoven, Rolf (2013): Der Syrien-Konflikt. Internationale Akteure, Interessen, Konfliktlinien. Online unter: http://www.bpb.de/apuz/155114/internationale-akteure-interessen-konfliktlinien?p=all, letzter Zugriff: 25.01.2017

Wobe, B. (2017): Krieg in Syrien. Wer kämpft gegen wen? Videoquelle. Online unter: http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-917.html, letzter Zugriff: 18.01.2017

Bildquelle:

Stern (2015): http://image.stern.de/6511290/uncropped-620-349/be3fd7f3339e85cf0de98b6874486ede/cj/fronten–1-.png, aufgerufen am 18.01.2017

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