Ein Text von: Henrike Witte, Jan-Rickmer Feindt, Yasmine Somai…

“Kein Zweifel: Der „Islamische Staat“ (IS) ist reich, er gilt als kapitalkräftigste Terrororganisation der Geschichte.”

(Diekmann, 2015)

Bei dieser Aussage kommen natürlich einige Fragen auf: Wo kommt all das ganze Geld her, wer unterstützt schon Terrororganisationen? Denn, wie wir wissen: Krieg ist teuer. Man hört zwar hier und da, dass der “Islamische Staat” große Ölfelder besitzt, aber welche Finanzierungsmittel gibt es noch?

In diesem Beitrag wollen wir außerdem behandeln, wieso es so schwer ist, die Quellen zu bekämpfen, denn es ist weitaus mehr notwendig, als nur mal eben Konten einzufrieren.

Verschiedene Einnahmequellen

Ein Grund, wieso der “IS” so reich sein kann, im Gegensatz zu anderen Terrororganisationen ist, dass sie eigenes Territorium besitzen. Die wohl bekanntesten Einnahmequellen vom “Islamischen Staat” sind der Verkauf von Erdöl aus ihren eingenommenen Gebieten, denn hier liegen große Ölfelder, Ausbeutung der Gebiete und ihrer Bewohner bringen ebenfalls viel Geld ein (Diekmann, 2015). Spendengelder von islamischen Stiftungen und privaten Kaufleuten unterstützen den Terror ebenfalls, um sich zu finanzieren (dies brachte Al-Qaida in Blütezeiten wohl 30% ihres Jahreseinkommens), sowie Lösegelderpressungen. Aber es gibt noch weitere, zahlreiche Einnahmequellen (Mattes, 2011, S. 2).

Zum einen handeln Terrororganisationen oft mit Drogen (brachte Al-Qaida 2000 rund 40% ihres Jahreseinkommens ein), das Geld wird dann durch Geldwäscherei “legalisiert”. Außerdem handeln Terrororganisationen mit Entführungen, sie fordern Lösegeld, so bezahlte Spanien beispielsweise 2010 acht Millionen Euro an terroristische Gruppen, um drei Staatsbürger aus deren Gewahrsam zu befreien. Zum anderen wird viel Bargeld geschmuggelt und damit gehandelt, welches unkontrollierbar ist. Geld wird außerdem aus Steueroasen geschlagen und es werden Offshore-Finanzpläne entwickelt (ebd, S.3).

Im Folgenden ein Link zu einer Grafik, die die Finanzierung des „Islamischen Staates“ aufzeigt. Die Grafik stellt vier große Einnahmequellen des „IS“ dar, der größte Anteil, 860 Millionen Dollar kommen aus Steuern, Schutzgeldern und Beschlagnahmungen, mit 540 Millionen Dollar folgen der Verkauf von Öl und Gas, 120 Millionen Dollar bringt der Landwirtschaftssektor und 45 Millionen Dollar Lösegeld aus Erpressungen. Dies sind Schätzungen der taz.  http://media0.faz.net/ppmedia/aktuell/3742329448/1.3924560/default/hq/infografik.jpg

 

Finanzierungsmittel stoppen?

Um diese Vielzahl an komplexen Finanzierungsmöglichkeiten zu kontrollieren und sie einzudämmen gilt es einige Hürden zu überwinden. Die Schwierigkeiten an der Bekämpfung ist die, dass das personelle und finanzielle Netzwerk von Terrororganisationen bisher nicht identifiziert ist, das heißt, Behörden und Regierungen wissen nicht, wer Terroristen sind und welches Geld für terroristische Zwecke genutzt wird. Eine weitere Schwierigkeit stellt die große Anzahl an Quellen dar, man muss versuchen, alle zu kontrollieren und oftmals werden Gelder über Geldwäscherei als legale Einkommen betitelt, solange man nicht das Gegenteil beweisen kann, können keine Geldhähne zugedreht werden. Dadurch, dass ein Großteil des Geldverkehrs über Bargeld läuft, haben Banken, Regierungen und Behörden sowieso keine Kontrolle über die Zahlungsmittel und können somit keine Konten einfrieren (ebd, S.3).

 

Bisherige Versuche, Finanzierungsmittel zu stoppen:

Dennoch haben viele Länder dieser Welt bisher einige Versuche unternommen, um Terrororganisationen den Geldhahn abzudrehen.

Am 10.01.2000 verabschiedete die UNO die International Convention for the Supression of the Financy of Terrorism, welches Verschärfungen gegen identifizierte Quellen und gefährliche Personen forderte. Außerdem wurden Konten von schon identifizierten Terroristen eingefroren. In nationalen und internationalen Regelungen sollen Finanzmärkte verschärft beobachtet und kontrolliert werden, außerdem soll der Kampf gegen die Geldwäsche stärker geführt werden, damit auch diese Quelle geschwächt wird. Das Problem hierbei ist, dass all diese Maßnahmen zwar gut gemeint sind, aber zu grobmaschig durchdacht sind, sodass sie ineffizient sind (ebd, S.2,4-7)

Zusammenfassend lässt sich klarstellen, dass es sich nicht verhindern lässt, dass der Islamische Staat Geld erhält. Die Regierungen dieser Welt können den Geldtransfer an den Islamischen Staat höchstens erschweren und die Rekrutierung über soziale Netzwerke genauer im Auge behalten. Außerdem müssen Staaten, die zum Terror des Islamischen Staates keine klare Haltung haben und plötzlich viel Öl und Gas verkaufen, ohne auf dem eigenen Territorium Öl- oder Gasfelder zu haben, nicht als Handelspartner favorisiert werden.

In der heutigen Zeit, in der der Terror stets präsent ist, müssen die Regierungen weltweit aufpassen auf wen sie sich einlassen und welche weiteren Verbindungen Handelspartner zu eigenen Feinden wie dem IS haben könnten.

 

Quellen:

1 Diekmann, F. (23.11.2015). Finanzquellen des „Islamischen Staats“. Die Beute-Ökonomie. Spiegel Online. http://www.spiegel.de/wirtschaft/islamischer-staat-so-finanziert-sich-der-is-a-1063522.html letzter Zugriff am 24.1.17

2 http://media0.faz.net/ppmedia/aktuell/3742329448/1.3924560/default/hq/infografik.jpg

3 Mattes, H. (2011). Der aussichtslose Kampf gegen die Terrorfinanzierung. GIGA Focus Global, Jahrgang 47 (3), S. 1-7.

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