Ein Text von: William-Samir Abu El-Qumssan, Thorben Fleck, Marie-Christin Prackwieser, Nils Gießler…

Nato verlängert Militäreinsatz bis 2017- Ein Krieg ohne Ende?

 

Auch im nächsten Jahr bleiben die SoldatInnen des Nato Militärbündnisses in Afghanistan vertreten. Von den Nato-Generalsekretären beschlossen verlängert sich der Einsatz im Krisengebiet bis mindestens 2017.

 

Nachdem man in der Öffentlichkeit stets ankündigte, die Nato plane sich 2014 vollständig aus dem Land zurück zu ziehen, übergab die ISAF (International Security Assistance Force) das Kommando, ab 2015, lediglich an die NATO-Folgemission „Resolute Support“ weiter.

Aufgabe der Mission war in erster Linie die Ausbildung, Beratung, sowie die Unterstützung afghanischer Militär- und Polizeieinheiten. Auch wenn diese Einheiten immer größere Teile der Kampfhandlung im Landesinneren übernehmen, gelingt es ihnen nicht die Aufständischen vollständig unter Kontrolle zu bekommen. So rechtfertig die USA, den Truppenabzug aus dem Land zum wiederholten Mal zu verschieben.1,2

 

Erstmals marschierten die Militärtruppen der Nato im Oktober 2001, nach den Terroranschlägen vom 11. September, in Afghanistan ein. In erster Linie verfolgte das Militärbündnis das Ziel, die dort herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation Al-Qaida zu bekämpfen.

Im Jahr 2003 übernahm schließlich die Nato das Kommando über die Sicherheits- und Wiederaufbaumission ISAF. Insgesamt 130.000 SoldatInnen sind es, die im Rahmen der Nato in Afghanistan eingesetzt waren. Mit zeitweise über 5.000 eingesetzten SoldatInnen zählt Deutschland zum insgesamt drittgrößten Truppensteller des NATO-Krieges.1 Doch ist es überhaupt möglich diesen Krieg vollständig zu beenden?

 

Das Hauptziel, die Herstellung von Sicherheit im Land scheint klar, doch spätestens wenn man sich die Zahlen der Kriegsopfer anschaut wird deutlich, die Mission scheint gescheitert. Allein auf westlicher Seite haben bis März 2016 etwa 3500 SoldatInnen ihr Leben gelassen. Als nicht weniger tragisch gelten die Verluste auf afghanischer Seite. Allein in dem Zeitraum von 2009 bis 2015 vermelden die Vereinten Nationen rund 21.300 Ziviltote, hinzu kommen rund 37.000 Kriegsverletzte. Andere kommen mit Aufständischen und den Menschen, welche später ihren Kriegsverletzungen erlagen auf ca. 184.000 bis 248.000 Kriegstote bis Ende 2013.1 Auch was die Förderung des Wirtschaftswachstums angeht ist kein Erfolg in Sicht.

Im UN-Index für menschliche Entwicklung findet sich Afghanistan im Jahr 2015 von 187 Ländern lediglich auf Platz 171 wieder, was auch gleichzeitig den Zustand der dort lebenden Bevölkerung beschreibt. Von den offiziell 26 Mio. in Afghanistan lebenden Menschen, leiden ca. 7,4 Mio. Einwohner unter akutem Nahrungsmangel, weitere 8,5 Mio. sind davon bedroht.1

Als Sieg wird man ein mögliches Ende der Mission am Hindukusch wohl nicht mehr bezeichnen können, doch wie ist dieser Krieg letztlich zu bewerten?

Nachdem klar ist, dass die SoldatInnen der Nato auch im Jahr 2017 für mindestens ein weiteres Jahr in Afghanistan stationiert bleiben, wird auch die Hoffnung, der Krieg würde jemals enden, immer geringer. Ein festes Datum für das Ende des Einsatzes nannte der NATO-Generalsekretär nicht. Anderen Berichten zufolge soll von einer Verlängerung bis 2020 die Rede sein.2

Zwar liegt der Schwerpunkt der Nachfolgemission Resolute Support vor allem in Sachen Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte, doch aufgrund anhaltender Gewalt der radikalislamischen Taliban-Rebellen bleiben erneute Kampfeinsätze nicht ausgeschlossen.

Größter Truppensteller der Mission Resolute Support bleiben nach wie vor die USA, mit ca. rund 10.000 in Afghanistan stationierten SoldatInnen. Im Vergleich sind seit Beginn des Jahres 2016 ca. 980 deutsche SoldatInnen im Einsatz.1,2,3 Wann und ob ein vollständiger Rückzug des NATO-Militärbündnisses aus dem Krisengebiet überhaupt möglich ist bleibt unklar.

Bleibt der ohnehin schon 15 Jahre andauernde Afghanistaneinsatz für immer ein „Krieg ohne Ende“?

 Quelle: http://www.harmbengen.de/toonpool/2014%2011%2018%20resolute_support_2352055.jpg
Quelle: http://www.harmbengen.de/toonpool/2014%2011%2018%20resolute_support_2352055.jpg

 

Literaturverzeichnis

 

1 Labinski, A.(2016) Die NATO in Afghanistan: Krieg ohne Ende.In: Die 360° NATO: Mobilmachung an allen Fronten

 

2 http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-05/nato-afghanisten-einsatz-verlaengerung

Letzter Zugriff: 11.12.2016

 

3 http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-in-afghanistan-endlos-mission-auch-fuer-die-bundeswehr-a-1102212.html

Letzter Zugriff: 11.12.2016

 

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