Ein Text von: Mateo Hima, Oliver Schulz, Mehdi Eskandari…

Im heutigen Blogeintrag beschäftigen wir uns mit den Motiven für die Vergabe von Entwicklungshilfe, sowie Problemen die sich dadurch ergeben. Eine eindeutige Definition des Begriffes Entwicklungshilfe ist wissenschaftlich umstritten. Es wird eher als synonym für Begriffe wie „Auslandshilfe“, „Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit“, „Entwicklungszusammenarbeit“ oder „Entwicklungshilfepolitik“ verwendet. Zu der eben genannten Entwicklungshilfe zählen einerseits finanzielle Ressourcentransfers, andererseits private Direktinvestitionen und nicht staatliche Hilfeleistungen durch Organisationen. Unter dem Begriff Entwicklungshilfe fallen auch Maßnahmen der Außenhandelspolitik, wenn dadurch Exporterlöse gesteigert werden. Ein Beispiel dafür sind indirekte Hilfetransfers[1].

Für die Entwicklungshilfe gibt es auf Seiten der Geber- und Nehmerländer unterschiedliche Motive, sowie Interessen. Die Geberländer nennen vor allem moralische und humanitäre Gründe für Entwicklungshilfe. In Katastrophenfällen werden beispielsweise Lebensmittel und Medikamentenlieferungen aus humanitären Gründen problemlos zur Verfügung gestellt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass Geberstaaten vor allem ökonomische, politische und geostrategische Interessen verfolgen und Gegenleistungen erwarten. Die Empfängerländer fordern Entwicklungshilfe als Kompensation für den erlittenen Schaden zu Zeiten des Kolonialismus [2].

Der kenianische Ökonom und Direktor des Inter Region Economic Network in Kenia James Shikwati sagte, laut TAZ, über die Entwicklungshilfe der G8 Staaten in Afrika, folgendes aus: „Nehmen Sie den IWF, der afrikanischen Staaten ständig neue Bedingungen auferlegt, unter denen sie Geld bekommen können: Die nutzen zuallererst den Gebern, nicht den Empfängern“, sagt er. Das Gleiche gelte für den Welthandel. „G 8 und EU stecken zusammen 350 Milliarden Dollar Subventionen in ihre Landwirtschaft, aber fordern von Afrika, auf alle Marktbarrieren zu verzichten“.[3]

Der vielfach ausgezeichnete Journalist Alex Perry reiste als Auslandskorrespondent vom »Time Magazine« über sieben Jahre durch Afrika und schrieb ›In Afrika: Reise in die Zukunft‹ wie fatal das Unverständnis in der Entwicklungshilfe ist. Ein penetranter Narzissmus des Helfens trifft auf einen ausgeprägten Geschäftssinn. Mit 57 Milliarden US-Dollar jährlich ist die Entwicklungshilfeindustrie „das größte Business in Afrika“, wie Perry in einem Interview mit dem Schweizer Monat gerade bekräftigt hat. Die westliche Entwicklungshilfe behandelt Afrika als unmündigen Kontinent. Das unterscheidet sie von China.[4]

Mit einem Beispiel aus der „Fischerei“ in Ghana, möchten wir die Interessengebundenen Abkommen der Industrieländer in Afrika verdeutlichen. Zum Teil kommen Industriefischfrachter aus Asien und Europa offiziell durch „Fischereipartnerschaftsabkommen“ mit den Regierungen, die von der EU subventioniert werden. Andere kommen ohne Genehmigung – wie in Ghana. Dort schließen die Firmen Verträge mit lokal ansässigen Fischereiunternehmen, um unter ghanaischer Flagge fischen zu dürfen. Bis auf Arbeitsplätze auf den Tankern bleibt den Einwohnern jedoch nichts – Ausbeute und Gewinne fließen ins Ausland.[5] Dadurch stagniert die ghanaische Wirtschaft. Das ist unter anderem ein Grund weshalb Ghanaer ihre Heimat verlassen und für ein besseres Leben in die europäische Union auswandern. Allerdings gelten Sie in europaweit als „Wirtschaftsflüchtlinge“ ohne Perspektive auf einen Verbleib.

Im nächsten und letzten Blogeintrag werden wir über die Probleme und Zusammenhänge der Globalisierung und den Neoliberalismus berichten.

 

[1] Vgl. Lachmann, Werner, 1999: Entwicklungspolitik. Band. 4: Entwicklungshilfe, München, S. 2-3.

[2] Vgl. ebd. S. 7.

[3] Vgl. Engelhardt, Marc, 2009: Entwicklungshilfe vom G20. http://www.taz.de/!5165061/, letzter Zugriff: 17.01.2017.

[4] Vgl. Angele Michael, 2016: Leser, schau auf Afrika. https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/leser-schau-auf-afrika, letzter Zugriff: 17.01.2017.

[5] Vgl. Blickpunkt Afrika, 2016: Ghana. Online unter http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:hdtL9qhBDoUJ:blickpunkt-afrika.com/12-wirtschaft/428-ghana-ueberfischung-durch-lizenznehmer-gefaehrdet-heimischen-fischfang+&cd=2&hl=de&ct=clnk&gl=de , letzter Zugriff: 18.01.2017.

 

Quellen – und Literaturverzeichnis

Lachmann, Werner, 1999: Entwicklungspolitik. Band. 4: Entwicklungshilfe, München.

Lachmann, Werner, 1999: Entwicklungspolitik. Band. 4: Entwicklungshilfe, München.

Engelhardt, Marc, 2009: Entwicklungshilfe vom G20. Afrikaner wollen keine Hilfe mehr. Online unter http://www.taz.de/!5165061/, Stand: 06.04.09; letzter Zugriff: 17.01.2017.

Angele Michael, 2016: Leser, schau auf Afrika. Online unter https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/leser-schau-auf-afrika, Stand: 30.03.2016; letzter Zugriff: 17.01.2017.

Blickpunkt Afrika, 2016: Ghana: Überfischung durch Lizenznehmer gefährdet heimischen Fischfang. Online unter http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:hdtL9qhBDoUJ:blickpunkt-afrika.com/12-wirtschaft/428-ghana-ueberfischung-durch-lizenznehmer-gefaehrdet-heimischen-fischfang+&cd=2&hl=de&ct=clnk&gl=de , Stand 2016; letzter Zugriff: 18.01.2017.

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