Ein Text von: Maximilian Brauer, Sandra Drozdowski, Dominik Rath, Miriam Winklhöfer…

Wie bereits in unserem Einleitungsblogeintrag angeschnitten, stehen viele unserer natürlichen Ressourcen vor einem Peak, bzw. wurde dieser bereits überschritten. Wir sehen uns also bald mit einem „peak everything“ konfrontiert (vgl. Lösch 2011: S. 47) aus welchem Grund wir in diesem Blogbeitrag Schwachstellen unseres bisherigen Wirtschafts- und Politiksystems, als auch den aktuellen Lösungsgedanken aufzeigen möchten und stattdessen neue Denkansätze präsentieren werden. Steter Wachstum ist ein essentieller Bestandteil in der Logik des Kapitalismus, was mit endlichen Rohstoffen nicht vereinbar ist. Zwar brauchen wir durch den technologischen Fortschritt immer weniger davon um die gleiche Zahl an Produkten zu produzieren, doch geht dies meist mit einer Steigerung in der Herstellung einher, was die ökologische Entlastung minimiert. Denn Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln entpuppte sich historisch gesehen als illusorisch, da eine Effizienzsteigerung gesamtgesellschaftlich von Konsumsteigerungen überkompensiert wird (´Rebound-Effekt´) und die damit einhergehende Zunahme des Ressourcenverbrauchs nicht allein mit Effizienz aufzufangen ist (vgl. ebd.: 48).

Rund ein Fünftel der globalen Treibhausgasemissionen, die wesentlich für den Klimawandel mitverantwortlich sind, entsteht durch Entwaldung und/oder Schädigung von Wäldern. Da Bäume große Kohlenstoffspeicher sind und mit deren Zerstörung diese wieder an die Umwelt abgegeben werden, sind sie auch von großer Bedeutung für den Klimaschutz. Aus diesem Grund wurden auf der 12. UN-Klimakonferenz 2007 Maßnahmen beschlossen, die Entwicklungsländern finanzielle Anreize bieten sollen, um Entwaldung zu vermeiden oder zumindest zu verringern und damit klimaschädliche Kohlendioxidemissionen zu verringern. Diese Maßnahmen wurden unter dem Namen REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) zusammengefasst (vgl. Brown 2011: S. 163) die REDD-Logik basiert auf der Inwertsetzung von Wald. So wird jedem nicht abgeholzten Regendwaldbaum ein Kohlenstoffwert beigemessen, der dann in Geld beziffert werden kann. Doch blieben einige Fragen der Finanzierung, Organisation und Umsetzung offen. So etwa die des konkreten Waldschutzes, der Handelsplattform oder rechtliche Besitzfragen. In den darauffolgenden Jahren wurde das Programm um zusätzliche Anreize für eine Aufforstung und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung erweitert. Die neue Bezeichnung lautet nun REDD+ (vgl. BMZ). Dieses UN-Programm birgt trotz seiner Chancen eine ökonomische Basis für den Waldschutz zu schaffen auch enorme Risiken, wie einen Anstieg der Korruptionsanfälligkeit, da die Kontrollstrukturen in den waldreichen Ländern sehr unterschiedlich sind. Eine weitere große Gefahr ist das potentielle „Freikaufen“ einer Verantwortung der Ressourcenverschwendung der führenden Industrieländer mittels Emissionshandels. Dies ist gemeinsam mit der Ablehnung einer generellen Inwertsetzung von Gemeingütern wie Luft, Wasser und Wald einer der Hauptkritikpunkte von NGOs und Regierungen im globalen Süden. Auch würden so indigene Bevölkerungsgruppen bedroht, da ihre traditionelle Lebensweise formell als Zerstörung angesehen wird und sie jegliches Mitspracherecht verlieren würden mangels offizieller Besitztitel. Auch würden ökologisch schädliche Monokulturen durch REDD und REDD+ subventioniert und das Sammeln von Heilpflanzen sanktioniert (vgl. DGVN). Es bleibt also auch hier noch viel zu tun um durch die UN einen ernsthaften Klimaschutz zu installieren.

Die knapper werdenden Rohstoffe führen zu höheren Preisen, die auch hier besonders zu Lasten der Ärmsten gehen. Der durch den Rohstoff-Peak verursachte Teuerungseffekt würde sehr wahrscheinlich zu Rückgängen der wirtschaftlichen Aktivitäten führen und kann damit mit vielen ökonomischen, politischen, lebensweltlichen und militärischen Gefahren einhergehen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 gewährte uns bereits einen Ausblick auf den weltweiten System-Crash, der nur durch öffentliche Kredite an Banken in Billionenhöhe vermieden werden konnte (vgl. Lösch 2011: S. 48).
Doch sind die Öl-, Klima- oder Finanzkrise nicht die einzigen Katastrophen denen es zu begegnen gilt. Zu nennen wären hier zum einen die Befriedigung physischer Grundbedürfnisse, wie der Kampf gegen den Hunger (trotz des Milleniumziels, die Zahl der Hungernden bis 2015 um 50% zu reduzieren, steigt die Zahl kontinuierlich) und zum anderen die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse: Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Zahl der Depressiven in Deutschland auf ca. vier Millionen. Bereits 2010 belegte die Diagnose ´depressive Episode´ erstmals den Spitzenplatz bei den Fehltagen im Beruf. Bis 2020 soll die Depression, mitverursacht durch Überarbeitung oder Unterforderung, die weltweit zweithäufigste Ursache für durch Krankheit verlorene Jahre sein (vgl. ebd.: 48). Unser Wirtschaftsmodell sieht nunmal vor, gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit hauptsächlich im Privaten zu leisten. Es scheint fast so, dass je mehr uns materiell zur Verfügung steht, desto mehr fehlt es uns an Lebensqualität.

Eine reine Umstellung auf ökologisch orientiertes Wachsen, also auf eine ´green economy´ reicht aus den eben genannten Aspekten nicht aus. Vielmehr ist es wichtig eine umfassende sozial-ökologische Transformation unserer Gesellschaft zu erzielen. Denn auch eine Postwachstumsgesellschaft würde auf die Kosten der Schwächsten gehen und eine zunehmende Arbeitslosigkeit erzeugen (vgl. ebd.: 49). So ist die alte Losung der Frauenbewegung „Das Private ist Politisch“ auch heute noch von ungebrochener Gültigkeit; es gilt nicht nur den Konsum allgemein, sondern auch die Art und Weise der Produktion, der Herstellungsort und die Erlösverteilung in Frage zu ziehen.
Auch muss weiterhin effizienter produziert und ressourcenärmer gelebt werden. Ein wichtiger Schritt wäre außerdem die soziale Anerkennung neuer Lebensentwürfe jenseits des Erwerbszwanges. Steigender Zeitwohlstand für alle Geschlechter ist hierbei Ziel und Voraussetzung gleichermaßen um ein ressourcenarmes Leben zu ermöglichen. Auch sind Ethische Finanzmärkte für einen Paradigmenwechsel unabdingbar, jedoch muss hier noch stark ausgehandelt werden, wie ein Umbauprozess vorangebracht wird, der ethische Kriterien und Partizipation umfasst (vgl. ebd.: 51).

 

Quellenverzeichnis:

Bettina Lösch, Andreas Thimmel (Hrsg.) 2011: Kritische politische Bildung. Ein Handbuch, Schwalbach: Wochenschau Verlag

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung „Reducing Emissions from Deforestation and Fored Degradation (REDD)“ https://www.bmz.de/de/service/glossar/R/redd.html [abgerufen am 12.12.16]

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. „REDD – Mechanismen, Finanzierung, Probleme“ http://www.dgvn.de/?id=815 [abgerufen am 12.12.16]

Peach Brown 2011: Gender, climate change and REDD+ in the Congo Basin forests of Central Africa. International Forestry Review, 13, 163-176

Advertisements