Ein Text von: Rosi Rohde, Maximilian Kraft, Patrick Scherer, Alicia Aguilar González…

Der 23. Juni 2016 kann von den verbleibenden 27 Staaten der EU-Mitgliedsstaaten als schwarzer Tag der EU bezeichnet werden, denn an jenem historischen Tag stimmten 51,9% der Briten und Britinnen für den Ausstieg Großbritanniens aus der europäischen Union. Enormes Entsetzen machte sich besonders bei den Brexit-Gegnern und den Mitgliedsstaaten breit, denn das erste Mal in der Geschichte der Europäischen Union wurde erfolgreich  für das Verlassen eines Mitgliedsstaates aus der EU seitens der Bevölkerung gestimmt.
Doch woher stammt die britische Abneigung gegenüber der EU und wie hätte dem entgegengewirkt werden können?
Diese Fragen werden in dem folgenden Blog durchleuchtet und beantwortet werden.
Großbritannien war nie vollkommen mit den Regularien der EU einverstanden
Historisch betrachtet hatte sich das Land nie zu 100% auf die EU eingelassen und verfolgte hauptsächlich wirtschaftliche Interessen ( APuZ, S.4). Die gemeinsame Gestaltung des Binnenmarktes stand im Vordergrund. Integrationspolitische Themengebiete erhielten seitens Großbritanniens kritische Resonanz und wurden nur mit Ausnahmeregelungen befürwortet.  Der  Maastrichtvertrag, Schengenraum-Abkommen oder die Grundrechtecharta, sind nur einige Beispiele. 
Das Maastrichtabkommen regelt die Richtlinien zur Einführung des Euros innerhalb der EU, welcher ein Symbol für die gemeinsamen Wirtschaftsinteressen ist. Hierbei verschaffte sich Großbritannien das Sonderrecht den einheimischen Pfund beizubehalten. Das Schengener Abkommen, welches die innereuropäischen Grenzkontrollen außer Kraft setzte, gilt für Großbritannien nur auf justitieller und polizeilicher Ebene. Die Grenzkontrollen bleiben weiterhin bestehen. Auch die Lissaboner Grundrechtecharta, welche am 1. Dezember 2009 in Kraft trat, gilt für Großbritannien nicht, denn Jenes und Polen tragen die Grundrechtecharta von Lissabon nicht mit. Anhand dieser drei Beispiele wird die Priorisierung des wirtschaftlichen Faktors Großbritanniens dargelegt. Es ist nicht auszuschließen, dass mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, die Beschlussfähigkeit der weiteren Mitgliedsstaaten effizienter wird, da sich das Großbritannien oft durch Sonderregelungen und Ausnahmen einen Sonderstatus ermittelte, der zunächst mit den weiteren EU-Mitgliedsstaaten ausgehandelt werden musste. ( siehe auch Ringvorlesung von 02.11.16, Minute 24). Dies würde mit dem Brexit reduziert werden.
Das wirtschaftliche „Wackeln“ der Europäischen Union und die „Angst“ des Vereinigten Königreiches
Die europäische Schuldenkrise, welche 2011 ihren Anfang hatte, versprühte für die Bevölkerung Großbritanniens  das Gefühl eines instabilen Wirtschaftssektors innerhalb der EU. Die Griechenlandkrise, welche ohne Rettungspakete  beinahe einen Bankrott Derselbigen auslöste, verunsicherte die britische Bevölkerung immer mehr. Weitere negative Wirtschaftsschlagzeilen innerhalb der EU wie z.B. die hohe Arbeitslosigkeit in den südlichen EU-Staaten , welche aus der exportorientierten Wirtschaftspolitik der EU entstand, führte zu einer Angst innerhalb der britischen Bevölkerung. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten in der EU würden ein Risiko für die nationalen wirtschaftlichen Interessen des Vereinigten Königreiches darstellen ( APuZ, 12/2016, S.5) Aufgrund dessen wurde die EU kritische und rechts-populistische Partei United Kingdom Independence Party (UKIP)  laut Wählerumfragen zur dritt-stärksten Partei und erhielt 2014 zur Europawahl die meisten Stimmen (27,5%).
Es ist folglich anzunehmen, dass die wirtschaftlichen Negativschlagzeilen der EU zu einer erhöhten Unterstützung der rechts-populistischen EU-Gegner geführt haben könnte.
Aufgrund der schwindenden Unterstützung der EU Politik seitens der Bevölkerung, wurde das folgliche Referendum in Form einer Volksabstimmung eingeleitet. Das nicht erwartete Ergebnis hat allerdings Gründe, die nun im Folgenden erläutert werden.
Paradoxien zwischen Anti-Brexit der jüngeren Wählerschaft und ihrer Wahlbeteiligung
Die negative Resonanz des Brexit-Beschlusses wurde medial durch Sätze wie „i cant believe this (Ich kann es nicht glauben)“, „Why are they destroying our future ‚(warum zerstören sie unsere Zukunft)“ oder “ Iam just scared (Ich habe einfach nur Angst)“geprägt. Diese und ähnliche Sätze waren Aussagen von Personen, die auch als „millennials“ gesellschaftlich betrachtet werden. Hiermit sind Personen im Alter zwischen 18 und  25 eingeschlossen. Die jungen Wähler sehen Großbritannien als Teil der EU an, was folglich daran liegen kann, dass diese Altersgruppierung mit der EU aufgewachsen ist und die Souveränität der Staaten wie in früheren Zeiten nur begrenzt kennt. Folglich votierten 73% der Personen, die zwischen 18 und 24 Jahre alt waren, für einen Verbleib innerhalb der EU. Die hohe Befürwortung der jungen Generation wurde allerdings durch eine mangelnde Wahlbereitschaft von insgesamt 36% zerschlagen. Im Vergleich nahmen 81 % der 55-65 Jährigen und 83% der über 65-Jährigen am Referendum teil. Allerdings war die Brexit -Befürwortung der älteren Altersgruppierungen höher. Ab der Altersgruppe von 45-54 war die Befürwortung des Brexits über 50% und erhielt bei der Altersgruppierung der 55-64 jährigen 57%. Die 65+ Generation votierte sogar mit 60% für einen Ausstieg aus der EU . Aussagen wie „wir möchten nicht von der EU regiert werden, sondern unsere Politik selbst gestalten“  haben eine Rolle in der Entscheidung der älteren Brexit-Befürworter gespielt. Ein zusammenfassendes Video zur generellen Meinung der britischen Bevölkerung vor dem Brexit gibt es hier.
Fazit
Es zeigt sich anhand des Brexit-votums nun elementar, dass die politische Partizipation der jungen Generation für ihre eigene Zukunft enorm wichtig ist. Denn der demografische Wandel zeigt, dass die Einwohnerzahlen der älteren Generationen im Verhältnis zur jüngeren Generation steigen. Die bisher eher konservative und auf die Souveränität des Staates ausgeprägte  Einstellung der älteren Personen kann die jüngere Generation nur mit ausreichend Partizipation entgegenwirken. Der Brexit ist der votierte und statistisch fundierte Beweis für eine fehlende Partizipation der Jungen Menschen in Großbritannien.
[2] Der Maastrichtvertrag aus: © 2017 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Lexikon/EUGlossar/V/2005-11-22-vertrag-ueber-die-europaeische-union-maastricht-vertrag-.html (Letzter Zugriff am 05.01.2017)
[4]  Landeszentrale für politische Bildung Baden-Würtemberg :https://www.lpb-bw.de/ursachen_krise_griechenland.html (Letzter Aufruf 13.12.2016) 
[7] https://www.youtube.com/watch?v=pf8h5l3qUNQ (Letzter Zugriff am 14.12.16)
[8] Lena Jakat in : JETZT, Partner der Süddeutschen Zeitung, Artikel vom 26.06.16, http://www.jetzt.de/brexit/brexit-alter-und-wahlbeteiligung (Letzter Zugriff am 14.12.16) 
[9] Fokus Money Online „Hohe Erwartungen an Europa-Konjunktur Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten immer größer“ Artikel vom 06.11.2013: http://www.focus.de/finanzen/news/hohe-erwartungen-an-europa-konjunktur-ifo-spaltung-zwischen-nord-und-suedstaaten-immmer-groesser_aid_1150177.html (Letzter Zugriff am 14.12.16)
[10] Offizielle Seite der United Kingdom Independence Party:  http://www.ukip.org/ (Letzter Zugriff am 14.12.16)
[11] Video zum demografischen Wandel von “ Explainity“ , hochgeladen am 08.10.2013,   https://www.youtube.com/watch?v=XeVJujWgW58 (Letzter Zugriff am 05.01.17)
[12] Nicolai von Ondarza, Julie Smith, Roland Sturm 2016: Aus Politik und Zeitgeschichte. Brexit 49-50/2016
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