Ein Text von: Karina Schmidt, Vanessa Sinß, Jan-Lukas Gruhler, Sarah Engelhard…

Das 1958 entworfene Zeichen für den ersten Ostermarsch der CND von London zum Atomwaffenforschungszentrum in Alderstom etablierte sich bis heute als weltbekanntes Symbol für den Frieden. Doch hat das Symbol im schnelllebigen digitalen Zeitalter ausgesorgt, ist es veraltet und nicht mehr zeitgemäß?

Nach den Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 und den Anschlägen in Paris im darauffolgenden November steht die Welt unter Schock. Die „Generation Hashtag“ begreift nicht was passiert und versucht durch ein starkes Zeichen der Gemeinsamkeit das Geschehene greifbar zu machen und das auf allen sozialen Netzwerken.

Am Tag der Anschläge in Paris greift der Künstler „Jean Jullien“ noch am selben Abend zum Pinsel und entwirft ein verändertes Peace-Symbol mit Eiffelturm. In wenigen Stunden verbreitet es sich auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. Millionen von Menschen wollen ihre Solidarität den Opfern und ihren Angehörigen gegenüber zum Ausdruck bringen. Doch muss es nicht immer ein Zeichen sein. Nach dem Anschlag auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ gerät der Slogan „Je suis Charlie“ in Umlauf. Diese drei Wörter stehen für Stärke, Mitgefühl und Zusammenhalt in Krisenzeiten. Viele färbten ihr Profilbild in den sozialen Netzwerken in den Farben der französischen Flagge, um ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen.

Doch von wie viel Ernst ist diese Form der Anteilnahme erfüllt und warum meinen wir überhaupt unsere Anteilnahmen im Internet verbreiten zu müssen?

Schon immer versuchen sich Menschen durch Gruppenzugehörigkeit zu definieren. Gerade wenn sie Angst haben und ihre Sicherheit angegriffen wird, schließen sie sich zu Gruppen zusammen. Die Identifikation mit den Opfern wird größer. Es scheint also, als zeige man das über die sozialen Netzwerke nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Man möchte ausdrücken, dass man dazu gehört. Der Vorwurf, man würde sich eher mit Opfern von Krisen in Europa anstatt mit Opfern des Irakkriegs identifizieren, hat durchaus seine Berechtigung. Spielen sich Naturkatastrophen und Terrorattacken in der näheren Umgebung ab, ist die Reaktion der Menschen immer größer. Die Zahl der Opfer spielt eine ebenso entscheidende Rolle. Sterben 129 Menschen bei einem Anschlag in Paris, schockt einen das mehr, als ein Todesopfer eines Autounfalls.

Erinnert man sich an 9/11 im Jahr 2001, kommen einem nur die TV-Aufnahmen in den Kopf. Ohne Facebook, Twitter, Instagram und Co gab es keine Notwendigkeit in kurzer Zeit Symbole oder Slogans für gemeinsame Stärke und Zusammenhalt in Umlauf zu bringen. Zu sehen waren lediglich die erschreckenden Bilder der einstürzenden Türme im Fernseher und in den Printmedien.

All das zeigt, dass das Peace-Symbol vielleicht noch nicht ausgesorgt hat und Künstler wie „Jean Jullien“ es auch in heutigen Zeiten der schnelllebigen Digitalisierung nutzen werden, damit die „Generation Hashtag“ Solidarität, Anteilnahme, Mitgefühl und Stärke in schweren Zeiten veranschaulichen können.

Jedoch ermöglichen auch Slogans und Hashtags eine leichtere Orientierung und Organisation von Bewegungen über das World Wide Web. „ Zeichen setzten: In Zeiten der Zeichen- und Bilderflut wird daraus ein sinnstiftender Akt.“ (Peitz, 2015) Durch sie werden Debatten ausgelöst, Meinungsvielfalt und Toleranz vertreten und ein „Wir-Gefühl“ entfacht in einer Zeit in der all das vielleicht wichtiger scheint denn je. So zeigt sich, dass sich das Peace-Symbol in der heutigen Zeit leicht ersetzten lässt, dennoch wäre es falsch davon zu sprechen, dass es ausgesorgt hätte und veraltete wäre.

 

Quellen:

Peitz, Christian, 2015: Generation Hashtag. http://www.tagesspiegel.de/kultur/paris-und-das-peace-zeichen-generation-hashtag/12602610.html [Stand: 18.11.2015; letzter Zugriff 29.11.2016]

Zöllner, Michael, 2015: Wie ernst gemeint ist die Trauer per Mausklick? http://www.bz-berlin.de/deutschland/wie-ernst-gemeint-ist-die-trauer-per-mausklick [Stand: 20.11.2015; letzter Zugriff 29.11.2016]

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/jean-jullien-ueber-logo-peaceforparis-symbol-des-friedens-fuer-paris-a-1062884.html

http://www.cnduk.org/about/history

http://das-gaengeviertel.info/neues/details/article/je-suis-charlie.html

https://static.dezeen.com/uploads/2015/11/Jean-Jullien_illustration_Peace-for-Paris_attacks_dezeen_square.jpg

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