Ein Text von: Karina Schmidt, Vanessa Sinß, Jan-Lukas Gruhler, Sarah Engelhard…

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Das Foto zeigt einen Stromkasten an der Weserstraße, Ecke Altmarkt in Kassel. In blauer Schrift wurde das Peace-Symbol raufgemalt, darunter die Worte „Lebe in Frieden“. Links davon steht ebenfalls in blauer Schrift, aber in einer anderen Schriftart „Fuck off“.

Ebenso wie das 1958 entworfene Peace-Symbol veränderten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte auch die Gesellschaften und die globalen Konflikte. Neue Technologien wie das Internet brachten eine neue Kommunikationsart mit sich, die eine schnelle und globale Kommunikation erlaubt. Kriege, wie z.B. der Syrien Krieg entstanden in den letzten Jahren. Die Berichtserstattung und dadurch auch die Wahrnehmung der Menschen änderten sich ebenfalls im Rahmen der Möglichkeiten des world wide web.

Aber was bedeutet das eigentlich für die Friedensbewegungen selbst?

Medial werden gerne bestimmten Generationen, die ein historisches Ereignis oder eine gravierende gesellschaftliche Wandlung gemeinsam haben, öffentlichkeitswirksam definiert und benannt: „Generation Hashtag“, „Generation Facebook“ oder „Generation Y“ sind nur ein paar Beispiele für die Benennung jüngerer Generationen. Der Soziologe Marcel Schütz (2015) sieht die Generationsdebatten dabei sehr kritisch. Die Definitionskriterien, z.B. Alterseingrenzungen sind ebenso schwammig wie bestimmte Eigenschaften, die einer Generation zugeschrieben werden. Die medialen Vertreter bedienen sich Schütz (2015) zufolge bei der Definition und Namensgebung einer goldenen Regel:

„Finger weg von der akademischen Soziologie, und Finger rein in den Baukasten subjektiver Gesellschaftsmodellierung“.

Trotz unterschiedlicher Definitionen bleiben zwei Gemeinsamkeiten der jungen Generation, die hier als Kriterien gelten sollen: grob im Alter zwischen 18-30, d.h. sie sind mit dem Internet aufgewachsen und nutzen dieses im großen Umfang.

Im Vergleich zum Jahr 1983, indem deutschlandweit rund 1,3 Millionen Menschen gegen Atomwaffen auf die Straße gingen (Vensky 2009), waren es im Dezember 2015 bundesweit nur ein paar Tausend Menschen, die gegen die Beteiligung der Bundeswehr am Syrien Krieg protestierten (Häußler 2015). Dies schreibt Häußler (2015) dem „Schweigen der Generation Facebook“ zu: Abgestumpft durch die vielen Bilder des Krieges im Internet und weil sie noch nie selber einen Krieg miterlebt hat, ist Krieg für diese Generation „wieder politisches Mittel zum Zweck“ geworden. Haben dieser Punkt, die Berichtserstattung und die Partizipation der Bürger_innen am Internet die Friedensbewegung von der Straße ins heimische Wohnzimmer verdrängt?

In einem aktuellen Tageschau Beitrag wurde ebenfalls die Frage gestellt, wo die Friedensbewegung bleibt. Am 07.12.2016 versammelten sich knapp 100 Menschen gegenüber der russischen Botschaft in Berlin, um gegen die Zustände in der syrischen Stadt Aleppo zu protestieren. Die verhältnismäßig geringen Teilnehmer_innen und das Problem der Mobilisierung von Friedensbewegungen sieht Jens Peter Steffen (Tagesschau 2015), der seit 30 Jahren in Friedensbewegungen aktiv ist, darin, dass die Lage in Syrien diffus und kaum greifbar sei. Auch Häußler (2015) bezeichnet den Syrien Krieg als „noch komplizierter und zweifelhafter [..], als die Kriege zuvor“.

Waren im Kalten Krieg, der bis Ende der 80er Jahre anhielt, die sich gegenüberstehenden Blöcke und Konflikte noch greifbar, zeigt sich heute eine Diffusität bei vielen Konflikten: die Ziele der beteiligten Länder sind unterschiedlich und gehen auf verschiedene Faktoren zurück. Das Erreichen der eigenen Interessen scheint mehr in den Vordergrund zu rücken, als die Stabilität und die Herstellung von Frieden in dem Land, in dem der Krieg herrscht.

Historisch betrachtet lässt sich für die Friedensbewegung in Deutschland festhalten, „dass die Regierungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland durch die Aktivitäten der Friedensbewegung, selbst bei einer hohen gesellschaftlichen Mobilisierung, kaum wirklich beeinflusst wurde“ (Buro 2011, S. 122). Dadurch könnte ein Gefühl der Unerreichbarkeit von Veränderungen auf Regierungsebene entstanden sein, dass sich nun mit zunehmender Politikverdrossenheit mischt und die Menschen an der aktiven Beteiligung an Friedensbewegungen hemmt.

Es zeigt sich abschließend, dass nicht nur die Konflikte und Kriege selbst komplexer geworden sind, sondern auch die Mobilisierung und Strukturen von Friedensbewegungen. Jedoch sollte man dabei nicht auf Vereinfachungen und Generalisierungen zurückgreifen, denn der Diskurs erfordert eine Berücksichtigung mehrerer Faktoren. Social Media Anwendungen, historische Entwicklungen, „Kriegsziele“, Politikverdrossenheit – all das beeinflusst die Gesellschaft und somit auch die Friedensbewegungen. In welchem Ausmaß, lässt sich an dieser Stelle nicht feststellen. Jedoch sollten für die neue Mobilisierung von Friedensbewegungen diese Aspekte diskutiert und berücksichtigt werden, ebenso die Vor- und Nachteile, die sich aus neuen Technologien ergeben können.

 

Literaturverzeichnis:

Buro, Andreas. 2011. Friedensbewegung. In Handbuch Frieden, Hrsg. Hans J. Gießmann und Bernhard Rinke, 113-124. Wiesbaden: Springer Verlag

Häußler, Erik. 2015. Das Schweigen der Generation Facebook. http://www.stern.de/politik/deutschland/kommentar-zur-friedensbewegung–das-schweigen-der-generation-facebook-6594480.html (Zugegriffen: 14. Dezember 2016).

Schütz, Marcel. 2015. Eingebildete Generation. https://www.freitag.de/autoren/marcel-schuetz/die-eingebildete-generation?seite=1 (Zugegriffen: 14. Dezember 2016).

Vensky, Hellmuth. 2009. Als der Kalte Krieg auftaute. http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2009-12/nato-doppelbeschluss (Zugegriffen: 14. Dezember 2016).

Video-Quelle:

Tageschau. 2015. Krieg in Syrien: Wo bleibt die Friedensbewegung? https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-238127.html (Zugegriffen: 14. Dezember 2016).

Bild-Quelle:

eigene Fotagrafie

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