Ein Text von: Vinzenz Oswald, Vitus Schmidbauer, Michael Imrisek, Michael Stutzke…

In unserem heutigen Blogbeitrag wollen wir euch von der Veranstaltung „Die Schattenseite der roten Tomate“, die am 21.11.2016 in Räumlichkeiten der Universität Kassel stattfand, berichten. Die Veranstaltung thematisierte Lebens- und Arbeitsverhältnisse von illegalisierten Migrant*Innen in der Agrarindustrie Italiens und Spaniens. Der Termin an der Universität Kassel reiht sich ein in die Bundesweite Veranstaltungsreihe der Referent*Innen. Zum einen Berichteten Elettra Griesi (Universität Kassel / „Ghetto out – Casa Sankara“) und Papa Latyr Faye (Präsident „Ghetto out – Casa Sankara“) von ihrem Projekt in Apulien (Italien), sowie Carmen Cruz Paredes und Spitou Mendy (beide SOC/SAT Almeria) über die Arbeitskämpfe und Probleme in der Agrarindustrie Andalusiens (Spanien). Moderiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Dr. Floris Biskamp. Elettra Griesi fungierte neben ihrer Rolle als Referentin auch als Übersetzerin.

Im Folgenden wollen wir die Vorträge der Aktivist*Innen zusammengefasst wiedergeben und diese Thematik in den Kontext zu „Neoliberalismus als Fluchtursache“ setzen.

Als anfänglicher Input wurden ein Ausschnitt aus dem Film „Der tiefe Süden“ gezeigt, in dem die schlechte Situation von Geflüchteten in Süditalien thematisiert wurde.

Darauf folgte ein Vortrag von den Aktivist*Innen Elettra Griesi und Papa Latyr Faye mit ihrem Projekt „Ghetto out – Casa Sankara“. Elettra Griesi eröffnete ihren Vortrag mit einem Rückblick auf die Entwicklung des Agrarsektors Süditaliens. Danach ging Sie auf die Machenschaften von italienischen Unternehmen ein, die Agrarprodukte aus Entwicklungsländern des globalen Südens importieren und diese als Italienische Produkte weiterverkaufen. Sie zeigte die Situation von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Senegal auf und beschrieb die Probleme und den Einfluss von europäischer Entwicklungshilfe, die sich beispielsweise in Förderkrediten manifestieren. Um Maschinen und Saatgut kaufen zu können, sowie um ihre Felder weiter zu bewirtschaften sind die dortigen Bauern und Bäuerinnen genötigt solche Kredite aufzunehmen. Da sie mit den erwirtschafteten Gewinnen ihre Kredite abbezahlen müssen bleibt ihnen meist wenig bis gar nichts zum Leben. Diese Perspektivlosigkeit ist es die viele zu einer Flucht nach Europa treibt. Dort angekommen landen sie oft in Apulien oder Andalusien.

Im Anschluss beschrieben die Referet*Innen die Ausbeutungsstrukturen in Italien und die Rolle der Caporali darin. Caporali sind Meistens selbst Geflüchtete bzw. legalisierte Migrant*Innen die als Bindeglied zwischen den Plantagenbesitzer*Innen und den geflüchteten Menschen agieren. Sie engagieren die Geflüchteten als Arbeitskräfte vor allem für die Arbeit in der Landwirtschaft.

Bei dem Projekt „Ghetto out – Casa Sankara“ geht es nun darum die Geflüchteten aus ihren meist schlechten Wohn- und Arbeitsbedingung zu hohlen. Casa Sankara bietet ihnen eine ordentliche Unterkunft, zudem können die Geflüchteten auf den projekteigenen Agrarflächen einer legalen und fairen Beschäftigung nachgehen.

Papa Latyr Faye beschrieb die Geschichte und Entwicklung des Projekts anhand gezeigter Filmszenen und eigener Erfahrungen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung referierten die Gewerkschaftsvertreter*Innen der spanischen Gewerkschaft SOC/SAT Almeria über die ihre Arbeit und die Probleme in den Agraunternehmen Andalusiens. Carmen Cruz Paredes und Spitou Mendy haben am Anfang über die spezielle Situation in Spanien berichtet.

Carmen Cruz Paredes ging im Laufe des Vortrags unter anderem darauf ein, dass Frauen oft besonders unter den Verhältnissen leiden. So werden etwa viele Frauen aufgrund der schlechten Lebensbedingungen in die Prostitution gezwungen. Sie zog dabei den Umstand, dass Osteuropäische Frauen oft mit der Aussicht auf ein besseres Leben und einen festen Arbeitsplatz nach Mittel- und Westeuropa gelockt werden und dort zur Prostitution gezwungen werden, als Vergleich heran.

Am Ende des Abends gab Spitou Mendy seine Einschätzung dazu, dass eine Boykottierung der Produkte schlecht sei, da sie letztendlich auf die Arbeiter*Inne zurückfällt. Er plädiert dazu das man nicht die Produkte Boykottiert, sondern auf die Verhältnisse der illegalisierten Arbeiter*Innen aufmerksam macht um, somit öffentlichen Druck auf die Zuständigen ausübt.

Warum haben wir euch heute von der Informationsveranstaltung berichtet?

Unsere Gruppe beschäftigt sich mit dem Themenkomplex Neoliberalismus/Entwicklungshilfe als Fluchtursachen, welchen wir dieses Mal aus einer anderen Perspektive darstellen wollten. Noch mit unserem ersten Blogeintrag im Hinterkopf, in welchem wir die Verwüstung der afrikanischen Agra-Wirtschaft durch die europäische Konkurrenz als Motor für eine Fluchtbewegung aufgrund von wirtschaftlicher Not beleuchteten, erscheinen die illegalisierten Arbeiter*Innen auf Italiens und Spaniens riesigen Obst- und Gemüsefeldern als besonders tragisch: Von ebenjener hochsubventionierten Agramaschinerie zur Flucht gezwungen, müssen sie nun für diese arbeiten. Unser Anliegen ist dabei auf die prekäre Lage der Geflüchteten in Spanien und Italien aufmerksam zu machen und einem breiterem Publikum näher zu bringen und für diese Thematik zu sensibilisieren. Wenn ihr euch weiter über die beiden Organisationen informieren wollt haben wir euch noch Links eingefügt.

Wir hoffen das euch auch dieser Blog gefallen hat und freuen uns über eure Kommentare und eine ordentliche Diskussion in der Kommentarspalte, aber natürlich auch außerhalb mit eurer Familie und euren Freunden über die Feiertage.

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„Ghetto out – Casa Sankara“ war das Projekt dessen Vertreter Papa Latyr Faye und Elettra Griesi waren. Sie besitzen vorallem eine Facebook-Seite. https://www.facebook.com/CASA-Sankara-Associazione-Ghetto-Out-907093699321951/
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-Das ist das Logo der Gewerkschaft SOC/SAT Almeria, wo ihr euch einerseits auf deren Homepage oder anderseits auf ihrer Facebook-Seite informieren könnt.

Hier der Link zur Website von SOC/SAT Almeria:

http://socsatalmeria.org/

https://www.facebook.com/Soc-Sat-Almer%C3%ADa-490163284520371/?fref=ts

Und zur Facebookseite von Casa Sankara:

https://www.facebook.com/CASA-Sankara-Associazione-Ghetto-Out-907093699321951/

Bildquelle:

https://www.facebook.com/907093699321951/photos/a.907094442655210.1073741825.907093699321951/924222104275777/?type=1&theater

https://www.facebook.com/soc.satsindicato/photos/a.380588285458051.1073741827.380588245458055/380588405458039/?type=1&theater

 

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