Ein Text von: Aylin Dalkiran, Jennifer Riedel, Ilker Sengül, Can Tim Akinci…

– Royal Air Force löschte Kassel aus –

Man sollte meinen die heutige moderne Gesellschaft sei in der Lage aus ihren Fehlern zu lernen. Unglücke zu analysieren und dagegen zu steuern, aber es scheint als wäre das in Kassel nicht der Fall.

Kassel war im 2. Weltkrieg von strategischer Bedeutung wegen seiner großen Rüs- tungsindustrie wie den Henschel Werken die den Panzer „Tiger“ und Geschütze wie die 8,8 Flugabwehrrakete herstellten. Und die Fieseler Flugzeugwerke die den Jäger ME 109 den „Fieseler Storch“ und die Flugbombe Fi103 „Kirschkern“ produzierten. Der Panzer „Tiger“ ist ein schwerer Panzer der in Kassel von 1942 bis 1944 gefertigt wurde. Er besitzt eine starke Hauptwaffe 8,8cm KWK36 und einen hohen Panzerschutz von bis zu 110mm, zudem war er mit einer Sekundärbewaffnung ausgestattet und er konnte gegnerische Panzer mit einer Kampfentfernung von bis zu 2000m ausschalten. Die Flugbombe Fi103 „Kirschkern“ war eine Vergeltungswaffe mit fast einer Tonne Sprengstoff beladen, eine tödliche Waffe.

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Quelle : Wikipedia Fieseler Fi103 – Bundesarchiv

Der Rüstungsstandort in Kassel war besonders im Visier der Briten da sie große Teile der Industrie zerstören wollten, auch um Vergeltung zu üben für die erfolgte Zerstörung englischer Städte wie London und Birmingham, und auch um der Bevölkerung den Glauben an den „Endsieg“ zu nehmen. Die NS – Führung ging zu dem Zeitpunkt der Aufrüstung noch davon aus, dass Kassel außerhalb der Reichweite von feindlichen Bombern liegen würde. Ein fataler Fehler der sich am 22. Oktober 1943 rächte. Rund 500 Bomber der Royal Air Force warfen erst Luftminen und Sprengbomben und anschließend noch 400.000 Stabbrandbomben

in das Zentrum von Kassel insgesamt 1800 Tonnen Sprengstoff. Es war ein Feuersturm der sich in der holzreichen Altstadt bildete und kaum etwas von der Historie in Kassel übrigließ. Dieser Bombenangriff war laut dem Historiker Horst Boog „die schwerste Katastrophe einer deutschen Stadt seit Hamburg und bis fast zum Kriegsende“. Die Briten waren mit ihrem Angriff sehr zufrieden, sie hatten die Moral der Deutschen erschüttert und die Infrastruktur der Rüstungsindustrie getroffen. Es hatte nur Minuten gedauert und die bis dahin gezählte schönste Stadt Deutschlands war vernichtet. Und das nur, weil hier in Kassel die Rüstungsindustrie derart ausgebaut war.

Aber leider wurden aus diesem verheerenden Angriff nicht die richtigen Schlüsse gezogen, nein es gibt nach wie vor große Rüstungskomplexe in Kassel die z.B. an der Produktion des Leopard Panzers beteiligt sind oder an der Panzerhaubitze. Krauss-Maffei Wegmann ist europäischer Marktführer für die Herstellung schwerer Kampfpanzer mit zwei Standorten (München und Kassel) und exportiert in über 30 Länder. Auch die Rheinmetall Landsysteme mit einer Niederlassung in Kassel stellt gepanzerte Fahrzeuge und militärische Radfahrzeuge wie den Schützenpanzer PUMA her. Über 3000 Arbeitsplätze fallen auf diese beiden Firmen. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung gegen einen Wiedereinstieg in das Waffengeschäft der Firmen waren, wurde mit dem Hintergrund des NATO Beitritts und der Westintegration wieder mit dem Aufrüsten begonnen. Da kann man schon mal über die historische Erfahrung und der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung hinweg sehen…

Nun ist Kassel auch in der heutigen Zeit wieder ein potenzielles Angriffsziel für andere Länder. Und anstatt die Arbeitsplätze zu sichern die Produktpaletten zu demilitarisieren und auf zivile Geschäftsfelder umzusteigen wird weiterhin, dank der Bundesregierung, aufgerüstet und exportiert.

In der leisen Hoffnung das es uns nicht wieder irgendwann zum Verhängnis wird…

Quellen

Strutynski, Peter. 2012. Militarismus, Kriegsrüstung und die Folgen: Das Beispiel Kassel.

WELT. 2013. https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article121104508/Wie-die- Royal-Air-Force-Kassel-ausloeschte.html. Zugegriffen am 13.12.2016.

HNA. Kasseler Bombennacht. http://www.hna.de/kassel/bombennacht-1943-ere219275/. Zugegriffen am 13.12.2016.

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