Ein Text von: Sabrina Marschall, Peter Sesler, Till Henke, Steven Vorphal, Silvana Hofer…

Kleinwaffen: Das ‚grüne’ Image von Heckler & Koch

Der Bürgerkrieg in Syrien, Militärinterventionen im Jemen oder der Kampf gegen den ‚Islamischen Staat’… die vergangenen Jahre – und insbesondere das jetzige – sind krisengebeutelt.

Dazu kommen die stets kritisierten Waffenverkäufe in Kriegs- und Krisengebiete, insbesondere durch die deutsche Regierung. Somit könnte man denken, dass die weltweite Waffen- und Rüstungsindustrie derzeit Hochkonjunktur hat. Dies ist seit Jahren allerdings nicht der Fall. So war das Jahr 2015 bereits das fünfte Geschäftsjahr in Folge, in dem die hundert größten Waffen- und Rüstungsproduzenten finanzielle Einbußen zu verzeichnen hatten.

Allerdings sind diese Einbußen keine Hinweise auf eine bevorstehende Abrüstung der Welt, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Viel mehr verdeutlicht es – laut Sipri – eine Abkehr von den ‚klassischen’ Waffen- und Rüstungsdienstleistungen.

Als mögliches Ziel dieser Abkehr von klassischem Kriegsgerät, kann die Fokussierung auf Kleinwaffen und deren Munition gesehen werden. So zählen zu den Kleinwaffen u.A. Revolver, Sturmgewehre, Maschinenpistolen und leichte Maschinengewehre. Des Weiteren umfasst dies folglich auch jegliches Kriegsgerät, welches von einer einzelnen Person getragen und verwendet werden kann.

Diese Fokussierung auf den Handel mit Kleinwaffen, lässt sich auch an den Zahlen des Rüstungsexportberichts der deutschen Bundesregierung nachvollziehen:

So verringerte sich der Export von Kleinwaffen an sich, augenscheinlich zwar von 12,4 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015) auf 11,6 Millionen Euro (1. Halbjahr 2016). Rechnet man allerdings die – zur Verwendung der Waffen – dringend benötigte Munition hinzu, steigerte sich der mit Kleinwaffen verwirtschaftete Umsatz von 39,4 Millionen Euro (1. Halbjahr 2015) auf 295,4 Millionen Euro (1. Halbjahr 2016).

Diesen Trend hat auch der deutsche Waffen- und Rüstungsprimus Heckler & Koch erkannt, weshalb nur noch Staaten beliefert werden sollen, die „zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der NATO oder NATO-nah sind“. Somit fielen einerseits, die ohnehin schon lautstark kritisierten Waffen- und Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien weg, andererseits aber auch Waffenexporte in die Türkei und das trotz NATO-Mitgliedschaft.

Doch woher kommt dieser augenscheinlich ‚positive’ Imagewandel von Heckler & Koch?

Auch wenn ein tatsächlicher Gesinnungswandel rein theoretisch möglich wäre, liegt es doch nahe, dass Heckler & Koch eher darauf bedacht ist, aus der öffentlichen Kritik heraus zu kommen.

Außerdem generierte Heckler & Koch bereits im Jahr 2015 ca. 59 Millionen Euro auf dem zivilen Waffenmarkt, was rund einem Drittel des weltweit erwirtschaftetem Umsatzes entspricht. Somit ist die augenscheinliche wirtschaftliche Neuausrichtung von Heckler & Koch keinesfalls ein gewissenhafter Gesinnungswandel, sondern lediglich eine Anpassung an vorliegende Umstände und Gegebenheiten, die ein wirtschaftliches Umschwenken erforderlich machen.

So ist zu erwähnen, dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel – zumindest medial – kein Freund von Kleinwaffenexporten außerhalb von NATO-Ländern ist. Die Schwierigkeit für Heckler & Koch an solche Exportgenehmigungen zu kommen, ist also dementsprechend hoch. Eine Fokussierung auf den NATO-Binnenmarkt, z.B. auf den US-amerikanischen Kleinwaffenmarkt ist somit wirtschaftlich nur logisch. Dennoch ist die ablehnende Haltung Gabriels im Hinblick auf Kleinwaffenexporte nur ein Nebenschauplatz.

Viel mehr geht es der Heckler & Koch Führung um den Aufbau eines positiven Verhältnisses zur Bundesregierung, um einen vielversprechenden Großauftrag an Land zu ziehen. Die Bundesregierung ist nämlich auf der Suche nach einem Nachfolger für das derzeitige G36 Sturmgewehr, welches alsbald ersetzt werden soll.

Somit könnte Heckler & Koch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits würden stark kritisierte Waffen- und Rüstungsexporte (u.A. nach Saudi-Arabien) wegfallen, was die bisherige negative Öffentlichkeitswahrnehmung reduzieren könnte. Andererseits würde sich Heckler & Koch mit dem Bund bzw. dem Bundesministerium der Verteidigung einen lukrativen Kunden auf lange Sicht sichern.

Ob Heckler & Koch tatsächlich in der Lage ist, sein Image positiv zu verändern, bleibt abzuwarten. Allerdings könnte das gewünschte positive Verhältnis zur Bundesregierung dazu beitragen, dass Heckler & Koch stärker darauf zu achten hat, wohin dessen Waffen exportiert werden, um die Beziehung zur Bundesregierung nicht unnötig zu belasten. Somit könnte dies sogar ggf. ein erster Schritt auf dem Weg zu einer langfristigen Friedenssicherung in der Welt sein.

 

 

Verwendete Quellen

[1] BUNDESREGIERUNG: Rüstungsexportkontrolle. Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im ersten Halbjahr 2016.

http://www.bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirtschaft/ruestungsexportkontrolle,did=786754.html

 

[2] SPIEGEL ONLINE: Matthias Gebauer. Sigmar Gabriel und Saudi-Arabien. Reden ist Silber, Waffen sind Gold.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/saudi-arabien-und-sigmar-gabriel-reden-ist-silber-waffen-sind-gold-a-1073627.html (Letzter Aufruf: 14.12.2016)

 

[3] SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: Export von Kleinwaffenmunition aus Deutschland verzehnfacht.

http://www.sueddeutsche.de/politik/kleinwaffen-export-von-kleinwaffenmunition-aus-deutschland-verzehnfacht-sich-1.3221125 (Letzter Aufruf: 14.12.2016)

 

[4] SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: Waffenverkäufe gehen weltweit leicht zurück.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bericht-waffenverkaeufe-gehen-weltweit-leicht-zurueck-1.3280115 (Letzter Aufruf: 14.12.2016)

 

[5] WELT: Gerhard Hegmann. Heckler & Koch: Das Kalkül hinter dem Schmusekurs des Waffenkonzerns.

https://www.welt.de/wirtschaft/article159821274/Das-Kalkuel-hinter-dem-Schmusekurs-des-Waffenkonzerns.html (Letzter Aufruf: 14.12.2016)

 

[6] ZEIT ONLINE: Rüstungsexport. Ausfuhr von Kleinwaffenmunition hat sich verzehnfacht.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-10/ruestungsexporte-munition-ausfuhr-kleinwaffen-bericht-2016 (Letzter Aufruf: 14.12.2016)

Advertisements