Ein Text von: Paul Werner, Marc Wenzel, Lena Schilling…

Historischer Abriss  zum  Sykes-Picot Abkommen

Während in Europa und auch im nahen Osten der sehr verlustreiche erste Weltkrieg noch in vollem Gange war, berieten die Diplomaten Großbritanniens und Frankreichs schon darüber, wie man die Welt und im speziellen den Orient nach Kriegsende untereinander aufteilen könnte. Die Truppen der Briten und Franzosen in Mesopotamien konnten nicht wirklich weiter vorstoßen und wurden durch osmanische Verbände, welche von Deutschen beraten wurden, aufgehalten. Dennoch schlossen die Engländer (vertreten durch Mark Sykes) und die Franzosen (vertreten durch Francois Georges- Picot) das sogenannte Sykes-Picot Abkommen. An dem Abkommen waren nicht nur die beiden Diplomaten beteiligt, nach denen das Abkommen benannt wurde. Es wurde ebenfalls maßgeblich von den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs mitgestaltet. Außerdem soll die Ölindustrie bei der konkreten Ausgestaltung des Abkommens involviert gewesen sein (vgl. Brökelmann 2010, S. 163–165).

Das Sykes-Picot Abkommen ist im Abendland ein meist unbekanntes Abkommen, welches jedoch für die Menschen im Orient weitreichende Auswirkungen besaß und noch immer besitzt. Die beiden damaligen Hegemonialmächte Großbritannien und Frankreich entwarfen am Reißbrett zwei neue Staaten, Syrien und den Irak. Die Grenzziehung glich einem imperialistischen Schachspiel zwischen Frankreich und Großbritannien, bei dem jede Seite versuchte, ihre „Figuren“ an den strategisch günstigsten Stellen zu platzieren. Bei der Schaffung der neuen arabischen Staaten wurden keine ethnischen Gegebenheiten berücksichtigt. Volksstämme und religiöse Gemeinschaften wurden voneinander getrennt und in die neuen Staaten aufgenommen. Die konkrete Grenzziehung erfolgte mit Lineal und Zirkel, was man mit einem Blick auf die Weltkarte noch immer erkennen kann. Mit dem Sykes-Picot Abkommen brachen die Briten zudem ihre Zusage, die sie gegenüber dem Scherifen von Mekka getätigt hatten: Das Versprechen einen arabischen Staat zu schaffen, sobald sich die Araber gegen die Osmanen auflehnen würden (vgl. Brökelmann 2010, S. 168).

Die Auswirkungen des Abkommens auf heutige das heutige Syrien

Das Sykes-Picot Abkommen besitzt für die Menschen in Syrien und Irak noch heute eine große Bedeutung. Deutlich wurde dies als im Juni 2014 Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates die Grenze zwischen Syrien und dem Irak stürmten, alle Grenzer erschossen und mit Baggern anrückten um die Grenzbefestigungen zu beseitigen. Von dieser Aktion stellten sie ein Video ins Netz mit dem Titel „The End of Sykes-Picot“, welches zu einem großen Propaganda Erfolg für den sogenannten Islamischen Staat wurde. Sie sahen sich als Befreier der Levante von den imperialistischen Bestrebungen des „Westens“ (vgl. Knipp 2016, S. 163f.).

Die künstliche Grenzziehung Frankreichs und Großbritanniens kann beim Verständnis für heutige Probleme durchaus eine Rolle spielen. Die Schaffung der Nationalstaaten Syrien und Irak nach bekannten „westlichen“ Mustern ermöglichte in letzter Konsequenz erst Despoten wie beispielsweise Saddam Hussein. Auch die mit der Gründung der beiden Staaten eingebrachten Werte wie Säkularismus, Demokratie und Menschenrechte sind seit dieser Zeit negativ vorbelastet. Das Sykes-Picot Abkommen trug wesentlich zu dem heutigen Misstrauen der Araber gegenüber den Europäern bei (vgl. Knipp 2016, S. 193).

Was aus der Levante geworden wäre, hätte es das Sykes-Picot Abkommen nicht gegeben, ist nur spekulativ. Eventuell hätten sich Nationalstaaten gebildet, eventuell hätten die Menschen vor Ort ein neues gesellschaftliches Modell entwickelt, wir wissen es nicht. Was jedoch unbestritten ist, ist dass das Sykes-Picot Abkommen ein „Meilenstein“ für die westliche Interventionspolitik, mit all ihrem daraus resultierenden Leid, im Nahen Osten darstellt.

 

Quellen

Brökelmann, Bertram (2010): Die Spur des Öls. Sein Aufstieg zur Weltmacht. 2. Aufl. Berlin: Osburg-Verlag.

Knipp, Kersten (2016): Nervöser Orient. Die arabische Welt und die Moderne. Darmstadt: Theiss.

Bildquelle

DiePresse.com (2014): Karte: Sykes-Picot. http://diepresse.com/images/uploads/0/3/9/3833913/Karte-Sykes-Picot-1916-2014_1404713893364551.jpg, aufgerufen am 06.12.2016

 

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