Ein Text von: Henrike Witte, Jan-Rickmer Feindt, Yasmine Somai…

Durch das im Zuge des arabischen Frühlings entstandene Chaos hat der “Islamische Staat” (“IS”) seine Chance ergriffen und große Teile Syriens annektiert. Ihr Ziel ist es, den Staat Syrien in ein eigenes transnationales Kalifat umzubauen, wo alle Muslime gesammelt leben und vom Kalifen regiert werden sollen. Der “IS” verlangt den Bürgern, die auf deren Territorium leben, Abgaben, Getreide und Waren ab und verhökert ihre Kunstschätze.

Der “IS” und Al-Qaida sind starke Konkurrenten. Früher war Al-Qaida die vorherrschende Macht im Dschihad, nun ist es der “IS”. Doch worin unterscheiden sich die beiden Terrormilizen eigentlich? Welche Ziele verfolgen sie? Und welche Rolle spielen sie im Nahostkonflikt?

Grau: Gebiete vom IS eingenommen; Grün: Gebiete, von der Opposition eingenommen; Gelb: Gebiete, von der YPG und SDF eingenommen; Rot: Gebiete, von Syrischer Regierung regiert; Dunkelgrün (Im Norden zwischen den Gebieten der YPG und SDF): Türkisches Militär und FSA   Abbildung 1: In dieser Darstellung wird farblich dargestellt, welche Akteure im Syrienkonflikt welche Teile des Landes annektiert haben. Es wird deutlich, dass der “IS” den Großteil eingenommen hat. Quelle:http://syriancivilwarmap.com Zugriff am 7.12.16
Grau: Gebiete vom IS eingenommen; Grün: Gebiete, von der Opposition eingenommen; Gelb: Gebiete, von der YPG und SDF eingenommen; Rot: Gebiete, von Syrischer Regierung regiert; Dunkelgrün (Im Norden zwischen den Gebieten der YPG und SDF): Türkisches Militär und FSA
Abbildung 1: In dieser Darstellung wird farblich dargestellt, welche Akteure im Syrienkonflikt welche Teile des Landes annektiert haben. Es wird deutlich, dass der “IS” den Großteil eingenommen hat. Quelle:http://syriancivilwarmap.com Zugriff am 7.12.16

Da beide Organisationen, durch Terroranschläge berühmt geworden sind, liegt die Vermutung nahe, dass beide das gleiche Ziel verfolgen. Seit der Gründung im Jahr 1990 zog Al-Qaida häufig die Aufmerksamkeit des Westens auf sich und sorgte durch den Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York City für weltweite Unsicherheit. Der “Islamische Staat” hingegen existiert erst seit 2006 und ist eine Abspaltung von Al-Qaida. Auch geografisch hat sich der “IS” von Al-Qaida distanziert. Während Al-Qaida sich in Pakistan organisiert, wählte der “IS” zunächst den Irak als Zentrum der eigenen Macht. Auch wenn spätestens seit dem 9/11 Anschlag der Name “Al-Qaida” jedem ein Begriff ist, wurde die Terrororganisation besonders seit dem Jahr 2015 vom “IS” durch Terroranschläge im Westen verstärkt in den Hintergrund gedrängt, was zu einem indirekten Konkurrenz-Kampf um die internationale Aufmerksamkeit zwischen beiden führt. Dabei sind die Interessen beider Parteien unterschiedlich. Während Al-Qaida mit Terror im Westen für internationales Aufsehen sorgen möchte, und die Schuldzuweisung der schlechten Zustände in Nahost dem Westen gilt, geht es dem “IS” darum, einen eigenen Staat, das sogenannte Kalifat einzurichten. Die Al-Qaida-Führung mahnt zur Zurückhaltung gegenüber dem “IS” bezüglich der massiven Gewalt, mit der der “IS” Bürger- und Konfessionskriege entfachen lässt. [4]

 

Ein fortwährender Krieg oder doch unterschiedliche Dispute mit unterschiedlichen Mittel?

Oft werden der Irak-Krieg und der Syrienkrieg als ein fortwährender Krieg betrachtet. Zu dieser Ansichtsweise zu gelangen liegt nicht fern. Wer sich etwa mit den Nahostkonflikten auseinandersetzt kommt zu schnell zu dem Schluss, dass bestimmte regionale Handlungsmächte um die Vormachtstellung im Nahen Osten kämpfen.[1] Der Nahe Osten ist ein Pulverfass, der jahrzehntelang mit den gleichen Konflikten zu kämpfen hat. Es ist der Kampf der sunnitischen und schiitischen Handlungsmächte um die Hegemonie in Nahost. Die US-Invasion des Iraks (2003) und der Zerfall des Baath-Regierung, geführt von einer dilettantischen Nachkriegspolitik seitens der USA, haben zum Zerfall des Iraks und zu einer Destabilisierung der gesamten Region des Nahen Ostens geführt.[2]

 

„Hinter den Kriegen im Nahen Osten und in Nordafrika steht die Auseinandersetzung um die regionale Hegemonie zwischen den sunnitischen und schiitischen Hauptmächten Saudi-Arabien und Iran […].“ Rainer Trampert[3]

 

Diese Konflikte werden aber nicht direkt von beiden Hauptmächten ausgetragen, sondern es werden Gruppen für diese Kämpfe instrumentalisiert, um Stellvertreterkriege im Nahen Osten zu führen. Dies sind auch Gruppierungen wie die Al-Qaida und der IS. Beide Mächte konnten erste Bestehenbleiben bzw. ihre Machstellung erweitern durch bestimmte Unterstützung. Die sunnitischen Gruppierungen werden vor allem durch Saudi-Arabien, Katar und der Türkei unterstützt. Vor allem Saudi-Arabien, als auch Katar sind verantwortlich für die Entwicklung und Stärkung des Islamischen Staats (IS). Wobei die schiitischen Gruppierungen, wozu auch das Assad-Regime zählt, von Iran und Russland unterstützt werden. Alle kämpfen sie um die Hegemonie im Nahen Osten und nutzen dabei jede Ressource, auch „Terror -Gruppen“.

 

Fazit:

Der “IS” und Al-Qaida sind also nicht das Gleiche. Beide Organisationen verfolgen ihre Ziele zwar auf dem gleichen radikalen Weg, dem Terror, dabei wird auch von beiden Gewalt gegen Schiiten ausgeübt und der Westen für das Leid im eigenen Land verantwortlich gemacht, allerdings hat Al-Qaida nie Interesse an der Einrichtung eines eigenen Staates gezeigt. Dafür fehlen Ideen für die Rechtsprechung und andere organisatorische Maßnahmen. Der Islamische Staat, der das Kalifat errichten möchte, spricht Recht nach dem muslimischen Glauben und der Scharia, wobei auch die Menschenrechte zu leiden haben.

„Terror-Gruppen“, wie Al-Qaida und der daraus entstanden “IS”, sind keine Mächte, die sich vollkommen eigenständig entwickelt haben. Vielmehr sind sie eine Entwicklung aus den Machtkämpfen regionaler aber auch internationaler Mächte, worin die USA eine große Mitschuld trägt. Die um eine regionale Hegemonie ringen und überall ausgebeutet Opfer zurücklassen. Diese Kriegsopfer wollen womöglich sich aus ihrer Ohnmacht befreien und dies nur in ihrer Zugehörigkeit in einer dieser Gruppierung sehen.

 

 

[1] Vgl. http://nationalinterest.org/feature/the-war-syria-iraq-one-war-10682?page=2 . Zugriff: 28.11.16.

[2] Vgl. Buchta, W.: Iraks Zerfall und der Aufstieg des IS. Zwei Seiten einer Medaille. In: Aus Politik und Zeitgeschichte bpb: Syrien, Irak und Region. http://www.bpb.de/apuz/221162/syrien-irak-und-region . Zugriff: 28.11.16.

[3] Trampert, R.:Der 30-jährige Krieg des Islam, die Interessen der Innen- und Außenmächte und die Flüchtlingswanderung, S.1. http://www.rainertrampert.de/artikel/der-30-jaehrige-krieg-des-islam-die-interessen-der-innen-und-aussenmaechte-und-die . Zugriff: 28.11.16.

[4] (vergl. Steinberg, G. (2016). IS vs. al-Qaida. Beim Endspurt um die Vorherrschaft im Dschihadismus droht eine Gewaltspirale.  Aus Internationale Politik und Gesellschaft.  http://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/der-islamische-staat/artikel/detail/is-vs-al-qaida-1260/)

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