Ein Text von: Ali Hellal, Atakan Kayacik,  Ardian Spahija…

Mit seiner Verzweiflungstat änderte er  die arabische Welt. Am 17. Dezember 2010 übergießt sich Mohamed Bouazizi mit Benzin und setzt sich mit einem Feuerzeug in Flammen. Keine Chance auf eine feste Arbeit, trotz Abitur, dazu endlose Unterdrückung der Polizei. Verzweiflung und Perspektivlosigkeit war nichts neues für junge Menschen im Land. Bouazizi stirbt am 4. Januar.. Erst geht die Jugend auf die Straße , Studenten, Absolventen, dann das ganze Volk, vom Arbeiter bis zum Anwalt. Die sozialen Spannungen und die zunehmende gesellschaftliche Passivität dieser  machten die Verzweiflungstat zum Auslöser einer politischen Explosion. Demonstrationen fanden in  ganz Tunesien statt  und somit schafften es die Tunesien den ersten Sturz eines Diktators in der arabischen Geschichte. Dieser Sturz des  war daher etwas Neues in der arabischen Welt. Die Revolte in Tunesien könnte der Beginn für einen Wandel sein. Bis auf die Golfstaaten  leiden fast alle arabischen Ländern  unter ähnlichen Problemen wie Tunesien. Die Menschen werden  Machthabern absolutistisch regiert und leben in ärmlichen Verhältnissen. Die Bevölkerung wächst. Die Wirtschaftlichkeit des Land bleibt hingegen ohne rasante Entwicklung.  Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption in staatlichen Intuitionen  weit ausgebreitet und längst installiert, die Lebensmittelpreise vor Allem Brot stiegen wie noch nie  und islamistische Oppositionelle warten überall in der arabischen Welt auf ihre Chance um aus den politischen Destabilisierungen zu profitieren. Es herrschen oft Vetternwirtschaft und Bestechlichkeit, die liberale, islamische und kommunistisch geprägten Oppositionen werden unterdrückt in Gefängnissen gefoltert,  also Menschenrechte waren mehr oder weniger ein Fremdwort. Der gewaltsame Umsturz in Tunesien hatte Einfluss auf die Machthaber von Mauretanien bis in den Jemen. In Ägypten musste 18 Tage nach Beginn der Massendemonstrationen Präsident Hosni Mubarak, der das Land 30 Jahren regiert hatte, am 11.02.2011 zurücktreten. Im Jemen, in Jordanien, Algerien, Libyen, Bahrain kam es bereits zu Aufständen und teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Tunesiens Nachbarland Algerien kam es fast gleichzeitig zu Unruhen. Algerien das Land, das überwiegend vom Handel des Erdöls und Gasvorkommen lebt und doch kann nur ein kleiner Teil der Gesellschaft von dem Erdöl und Gashandel profitieren, der Rest versinkt hingegen weiter in Armut. Wie in Tunesien herrscht in Algerien eine hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter der Jugend. Seit dem algerischen Bürgerkrieg kommt es noch  in Algerien von dem nordafrikanischen Ableger der al-Qaida  zu Terroranschlägen. In Libyen wurde der Sturz Ben Ali aufs schärfste verurteilt, dennoch versuchte Al-Gaddafi die erwarteten Rebellionen zu vermeiden und drohte  seinem Volk mit gewalttätige Konsequenzen.   Dies ließ die Bevölkerung nicht aufhalten  und kam nach Protesten und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften es zu weiteren Eskalation mit sehr vielen Toten und Verletzten.  In Jordanien entließ König Abdullah II am 01.02.2011 den bisherigen Ministerpräsidenten Samir Rifai und ersetzte ihn durch Marouf Bakhit, mit den Auftrag eine neue Regierung zu bilden.  Am 09.02.2011 vereidigte der König das 27-köpfige Kabinett des neuen Ministerpräsidenten Bakhit, dem fünf Minister der ehemaligen Regierung angehören sowie ein früheres Mitglied der oppositionellen Muslimbruderschaft, die es ablehnte, dem neuen Kabinett beizutreten. Die Demonstrationen in Jordanien sind insoweit nicht mit denen in Tunesien und Ägypten vergleichbar, als die Demonstranten sich für demokratische Reformen einsetzen und kein Interesse am Sturz von König Abdullah II haben.  Syrien ist und bleibt ein außergewöhnlicher Fall im arabischen Frühling . Als  im März 2011 in Daraa im Süden des Landes  die ersten friedlichen Demonstrationen gegen die 40-jährige Herrschaft der Assad-Famillie aufkamen, schlug der Baschar Al-Assad nicht allein mit äußerster Brutalität zurück. Indem er umgehend die Gefängnistore für zahllose Islamisten wie für Schwerkriminelle öffnete, mit der Zielvorgabe, die friedlichen Demonstranten zu unterwandern und zu eliminieren, begeht er nun denselben Fehler und die Vorgehensweise wie sein Vater im Jahr 1982 zuvor. Für Assad seien alle Demonstranten islamische Terroristen und was könne daran falsch sein, gegen sie Gewalt anzuwenden und sie mit militärischen Mitteln zu bekämpfen .  Auch in anderen Staaten wie Jemen und Bahrain sowie Iran kam es zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen, die im Zusammenhang mit dem Umsturz in Tunesien und Ägypten stehen, jedoch auf die jeweilige spezielle Situation im Lande zurück zuführen sind.

Diktator Ben Ali besuchte Mohamed Bouazizi im Krankenhaus.
Diktator Ben Ali besuchte Mohamed Bouazizi im Krankenhaus.

Buchta, Wilfried, 2015: Terror vor Europa Toren. Der Islamische Staat, Iraks Zerfall und Amerikas Ohnmacht. 1.Aufl. Frankfurt: Campus Verlag GmbH

https://de.qantara.de/inhalt/hochschulen-in-tunesien-was-vom-fruehling-uebrig-blieb

https://de.qantara.de/inhalt/arabische-protestbewegungen-ein-kurzer-jordanischer-fruehling

http://www.bpb.de/izpb/156619/die-arabischen-protestbewegungen-von-2011?p=all

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