Ein Text von: Marcus Göbel, Lisa-Marie Konschak, Jessica Neitz…

In unserem letzten Blogeintrag haben wir den Fokus auf die Ungleichbehandlung der Frauen aus anderen Kulturen betrachtet und einen Vergleich zur Emanzipation der „weißen“ Frauen gezogen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass jeder von uns erst ein Blick in die eigenen Reihen werfen sollte, bevor er andere Kulturen an den Pranger stellt. In dem nachfolgenden Blogeintrag wollen wir uns damit auseinandersetzten, welche Rolle die Frau bei dem Wandel in der arabischen Welt spielt und welche parallelen wir zu der früheren Frauenbewegung  finden können.

Frauen beeinflussen die Revolution in der arabischen Welt maßgeblich. Doch nicht alle von ihnen stehen auf der gleichen Seite. Hoda Salah zeigt in ihrer Rede zur Gedenkveranstaltung am 3. Jahrestag der arabischen Revolution diese verschiedenen Seiten auf. Genannt werden von ihr Frauen aus dem islamischen Lager, Frauen aus arabischen nationalistischen Bewegung und Frauen, welche diese autoritären Systeme ablehnen und sich für einen Wandel einsetzten [1].

Diese kleine dritte Gruppe möchten wir hier gerne in den Fokus stellen. Sie sind gemeint, wenn von den „Trägerinnen des Wandels“ die Rede ist. Die Frauen setzen sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Demokratie ein. Jene Werte, die für viele von uns bereits selbstverständlich erscheinen, müssen jedoch schwer erkämpft werden. Demokratische Freiheiten zu erringen erweist sich in den arabischen Ländern als besonders schwierig, da gerade die Meinungs- und Pressefreiheit zum Teil sehr stark eingeschränkt ist. Ein Wandel muss deshalb vor allem innerhalb der Kultur stattfinden und sich langsam ausbreiten.

Die Freiheiten der arabischen Länder unterscheiden sich bereits jetzt zum Teil maßgeblich. In Saudi Arabien ist die Presse- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und auch innerhalb der Gesellschaft werden die Menschenrechte und die Rechte der Frauen zum Teil nur bedingt berücksichtigt. Dies äußert sich unter anderem darin, dass Frauen keine Möglichkeit erhalten einen Führerschein zu erwerben und junge Mädchen noch immer zwangsverheiratet werden können. Parallel dazu lässt sich allerdings auch eine positive Entwicklung verzeichnen. 2013 wurde beispielsweise ein Gesetz erlassen, welches Frauen vor häuslicher Gewalt schützen soll und 2015 konnten Frauen zum ersten Mal an Wahlen teilhaben. Mit dem Reformprogramm „Vision 2030“ soll des Weiteren die Chancengleichheit der Frauen gefördert werden [2]. Während es in Saudi-Arabien verboten ist als Frau Auto zu fahren und die oben genannte Presse- und Meinungsfreiheit unterbunden wird, werden den Menschen in Marokko immer mehr Rechte zugeschrieben. Bereits 2004 trat hier ein Familiengesetz in Kraft, welches für eine Gleichstellung von Männern und Frauen in der Ehe Sorge tragen soll. Ebenfalls werden die Verletzungen gegen Menschenrechte untersucht und die Opfer öffentlich angehört. Durch die daraus resultierende gesellschaftliche Diskussionen sollen Verletzungen gegen die Menschenrechte auch innerhalb der Bevölkerung sensibilisiert werden um die Menschenrechte insgesamt zu stärken. Dem 2012 gegründeten Nationalrat für Menschenrechte obliegt es außerdem Vorschläge für weitere Verbesserungen zu unterbreiten [3].

Historisch gesehen kann sich feststellen lassen: Frauen waren schon früher in anderen Kulturen „Trägerinnen des Wandels“. In Frankreich begann es 1789 mit der Französischen Revolution. Der Wahlspruch „Liberté, Égalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ stellte zugleich das Motto der damaligen Revolten dar. Doch die zum Ziel gesetzten Menschenrechte wurden damals ausschließlich den Männern zugeschrieben. Es entwickelte sich ein Protest und Frauen setzten sich für die Gleichbehandlung zwischen den Geschlechtern ein. Olympe de Goueges verfasste zu dieser Zeit die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ und war somit eine der ersten Vorkämpferinnen für die Frauenrechte [4]. In den darauffolgenden Jahrhunderten haben Feministische Initiativen viele weitere Kontroversen geführt und so schrittweise den Weg für eine Gleichbehandlung geebnet. Doch erst 1919 wurde in Deutschland ein Gesetzt verabschiedet, das Frauen dazu berechtigte an Wahlen teilzunehmen. Innerhalb der Jahrhunderte wurden viele weitere Gesetze erlassen doch noch heute sind in unserer Kultur Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen. Innerhalb der arabischen Länder hat der Wandel jedoch erst begonnen und es bleibt abzuwarten, welche Erfolge er mit sich bringt.

 

Fußnoten

[1] Salah, H. (2014). Die Revolution, die Frauen und die Zukunft Ägyptens.

[2] Auswärtiges Amt. Zugriff am 29.11.2016 http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/SaudiArabien/Innenpolitik_node.html

[3] Auswärtiges Amt. Zugriff am 29.11.2016 http://www.auswaertiges- amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Marokko/Innenpolitik_node.html

[4] Holzleithner, E. (2012), S. 338 ff.

 

Literaturverzeichnis

Auswärtiges Amt. Zugriff am 29.11.2016 http://www.auswaertiges- amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Marokko/Innenpolitik_node.html

Auswärtiges Amt. Zugriff am 29.11.2016 http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/SaudiArabien/Innenpolitik_node.html

Salah, H. (2014). Die Revolution, die Frauen und die Zukunft Ägyptens.

Holzleither, E. (2012). Feministische Menschenrechtskritik. In Pollmann, A. & Lohmann, G. (Hrsg.) (S. 338-343). Menschenrechte. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart: Carl Ernst Poeschel Verlag

Advertisements