Ein Text von: Jakob Weinreich, Christoph Klakus, Alexander Nolte, Christopher Frank Schütz…

Globale Ungleichheit statt globaler Wohlstand: Auf dem Bild sind zwei Wohnviertel zu sehen, die aneinandergrenzen. Hierbei handelt es sich auf der linken Seite des Bildes um ein Armutsviertel mit kleinen und einfachen Häusern. Auf der rechten Seite des Bildes ist ein Hochhaus mit vielen Luxusappartements zu sehen, wovon einige über einen Balkon mit einem eigenen Pool verfügen. Neben dem Hochhaus ist eine Parklandschaft angelegt, in dem zwei Tennisplätze und ein Freibad ihren Platz finden. Getrennt werden die beiden Wohnviertel durch eine Mauer.
Globale Ungleichheit statt globaler Wohlstand: Auf dem Bild sind zwei Wohnviertel zu sehen, die aneinandergrenzen. Hierbei handelt es sich auf der linken Seite des Bildes um ein Armutsviertel mit kleinen und einfachen Häusern. Auf der rechten Seite des Bildes ist ein Hochhaus mit vielen Luxusappartements zu sehen, wovon einige über einen Balkon mit einem eigenen Pool verfügen. Neben dem Hochhaus ist eine Parklandschaft angelegt, in dem zwei Tennisplätze und ein Freibad ihren Platz finden. Getrennt werden die beiden Wohnviertel durch eine Mauer.

In unserem ersten BloG-Beitrag gaben wir bereits einen groben Überblick über den Zusammenhang von Neoliberalismus und struktureller Entwicklungspolitik. In diesem vorliegenden Beitrag soll es nun etwas detaillierter um die globalen Ungleichheiten und Widersprüche in dieser Welt gehen, welche nicht unwesentlich von dem global etablierten, neoliberal geprägten Handeln in der Wirtschaft ausgelöst und verschärft werden.

Besonders deutlich werden diese Ungleichheiten in einem Report, welcher im Januar 2016 von der Entwicklungsorganisation Oxfam vorgelegt wurde. Aus diesem Bericht geht zum einen hervor, dass 62 Menschen genauso viel Kapital besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung insgesamt. Zum anderen veranschaulicht diese Veröffentlichung, dass das derzeitige Wirtschaftssystem vor allem den Reichen zugutekommt und weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft [1].

Abgesehen hiervon könnte man in der heutigen globalisierten Welt zunächst meinen, dass die Welt gerechter und vereinter geworden wäre als je zuvor. Schließlich sollte eine globale Verflechtung eigentlich zu mehr Frieden, partnerschaftlicher Zusammenarbeit und gemeinsamem Gewinnstreben führen. Dem ist aber nicht so. So stellt auch Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international, fest: „Die Welt ist mit der Globalisierung zwar näher zusammengerückt, doch zeigt sie sich heute gespaltener denn je. Hier der reiche globale Norden mit seiner wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Vorherrschaft, dort der globale Süden, die Zonen des Elends, der Chancenlosigkeit und Ausgrenzung.“ [2]. Insofern kann man durchaus wie die Nichtregierungsorganisation attac argumentieren, dass sich das neoliberale Versprechen: ‚Die Globalisierung bringt Wohlstand für alle.‘ nicht bewahrheitet hat. Im Gegenteil lässt sich eher eine Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich feststellen. Das ist allerdings kein Wunder, wenn man den Darstellungen von attac folgt. Schließlich orientiert sich die gegenwärtige Globalisierung einseitig an mächtigen Wirtschaftsinteressen [3].

Es lässt sich hier unweigerlich von einem verzerrten Welthandel sprechen. Jenen Begriff verwendet auch die Welthungerhilfe als sie die Ursachen darstellt, weshalb 795 Millionen Menschen auf der Welt hungern und alle zehn Sekunden ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung stirbt. Der verzerrte Welthandel zeichnet sich für die Welthungerhilfe nun insbesondere dadurch aus, dass die reichen Staaten die Regeln der internationalen Politik bestimmen. So schaffen unfaire Handelsabkommen und Subventionen Marktzugänge und Preisvorteile für Unternehmen aus den reichen Industrienationen. Ferner werden Rohstoffe aus den armen Ländern dieser Welt exportiert. Die Gewinne kommen hingegen den reichen Ländern zugute [4]. Von daher ist es treffend, wenn Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter, in seinem Buch ‚Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt‘, den millionenfachen Hungertod als Skandal unseres Jahrhunderts bezeichnet. Schließlich sollte man sich wie Ziegler anmerkt, vergegenwärtigen, dass die Weltlandwirtschaft in ihrem augenblicklichen Zustand problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte, was fast der doppelten Weltbevölkerung entspräche [5].

Ebenso erschütternd ist es, wenn man feststellen muss, dass Länder wie Burkina Faso und Ghana einst über eine funktionierende Milchproduktion verfügten. Als dann allerdings sehr billiges, subventioniertes Milchpulver aus der EU nach Westafrika kam, hatte dies verheerende Folgen. Statt der oft, von Anhängern des Neoliberalismus angepriesenen, Verbesserungen und Vorteile für die Afrikanerinnen und Afrikaner, lassen sich eher negative Entwicklungen feststellen. So mussten viele Milchbäuerinnen und Milchbauern ihre Kühe verkaufen und ihre Ländereien verlassen [6]. Aber nicht nur die Überschwemmung des afrikanischen Marktes mit EU-Billigimporten, ist für die heimische Bevölkerung schädlich, sondern auch der umgekehrte Fall, die Ausbeutung. Im Zuge der Globalisierung wurden viele, vor allem wertschöpfungsarme Produktionen in Schwellen- und Entwicklungsländer verlagert. Der Preiskampf auf dem europäischen Markt wird so auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsländern ausgetragen. Der einheimischen Bevölkerung reicht der Lohn oft allerdings nicht zum Leben [7].

Die Ausbeutung muss sich aber nicht in erster Linie auf den Produktionsfaktor Arbeitskraft beschränken, sondern kann auch Ressourcen betreffen. Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusammenhang eine kritische Äußerung des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller bleiben. Im rbb-Inforadio sagte Müller: Unser Wohlstand in Europa, in Deutschland begründet sich zu einem erheblichen Teil auf den wertvollen Ressourcen und der Ausbeutung dieser Ressourcen in afrikanischen Ländern. Und für diese Ressourcen bezahlten wir keine ordentlichen Preise. Das sei schäbig, denn die Menschen könnten davon nicht leben [8].

Angesichts dieser unfairen Wirtschaftsbeziehungen kann man nun sagen, dass der Reichtum des globalen Nordens auf der Ausbeutung des globalen Südens fußt. Vor allem die Globalisierung in Kombination mit dem neoliberalen Wirtschaftshandel haben in diesem Zusammenhang zu einer Verschärfung der Armut auf der Welt und Konzentration des Reichtums im globalen Norden beigetragen. Die aktuellen Migrations- und Fluchtbewegungen sind eigentlich nur die logische Folge hiervon.

Abschließend wollen wir deshalb in diesem Blogbeitrag sagen: ‚Wir sehen sicherlich auch Vorteile der Globalisierung, aber mit einer Globalisierung in der neoliberalen Form kann es nicht weiter gehen. Es ist eine Globalisierung und Verflechtung aller Staaten der Welt anzustreben, welche auf mehr Gerechtigkeit, fairen Handelsbedingungen und einem rationalen und nachhaltigen Wirtschaftshandel beruht.‘

Quellen

Querverweise/Hyperlinks und Literaturquellen:

[1] Oxfam (2016): Ein Wirtschaftssystem für die Superreichen. Wie ein unfaires Steuersystem und Steueroasen die soziale Ungleichheit verschärfen. Online verfügbar unter: https://www.oxfam.de/system/files/20160118-wirtschaftssystem-superreiche.pdf, S. 1 (zuletzt geprüft am 29.11.2016).

[2] Gebauer, Thomas (2015): Zerstörung der Lebensgrundlagen als Fluchtursachen. Redescript zum Vortrag von Thomas Gebauer (medico international), In Herrenberg am 8.10.15. Online verfügbar unter: http://zak-tuebingen.org/wp-content/uploads/201 5/11/ Redescript-Gebauer-Okt-15.pdf, S. 4 (zuletzt geprüft am 29.11.2016).

[3] Attac.de (2016): Globalisierung. Online verfügbar unter: http://www.attac.de/ themen/globalisierung/ (zuletzt eingesehen am 29.11.2016).

[4] Welthungerhilfe.de (2016): Hunger – Alle Fakten auf einen Blick. Hunger – Vertreibung, Ursachen und Folgen. Online verfügbar unter: http://www.welthungerhilfe. de/ hunger.html (zuletzt eingesehen am 29.11.2016).

[5] Ziegler, Jean (2013): Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. 2. Auflage. München. btp, S. 14 f.

Siehe auch: https://www.amazon.de/Wir-lassen-sie-verhungern-Massenvernichtung /dp/3570101266

[6] SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene (2016): Migration und Flucht in Zeiten der Globalisierung. Die Zusammenhänge zwischen Migration, globaler Ungleichheit und Entwicklung. Online verfügbar unter: http://www.suedwind-institut.de/fileadmin/fuerSuedwind/Publikationen/2016/201624_Migration_und_Flucht .pdf, S. 6 (zuletzt geprüft am 29.11.2016).

[7] Kekeritz, Uwe (2016): Fluchtursachen statt Flüchtlinge bekämpfen. Warum Menschen fliehen und was wir gegen die Ursachen tun können. Online verfügbar unter: http://www.uwe-kekeritz.de/wp-content/uploads/2016/06/Fluchtursachen-bek%C3% A4mpfen-06-2016-web.pdf, S. 26 (zuletzt geprüft am 29.11.2016).

[8] Tagesschau.de (2015): Entwicklungsminister fordert faire Handelsbeziehungen. „Unser Wohlstand fußt auf Ausbeutung Afrikas“. Online verfügbar unter: https://www.tagesschau.de/inland/mueller-ausbeutung-afrika-101.html (zuletzt eingesehen am 29.11.2016).

 

Bildnachweis:

Veira, Tuca: A foto da favela de Paraisópolis. Online verfügbar unter: http://www.tucavieira.com.br/A-foto-da-favela-de-Paraisopolis (zuletzt eingesehen am 29.11.2016).

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