Ein Text von: Jacqueline Leucker, Martin Tarara, Colin Schneider, Sven Lämmerhirt…

Als Friedensbewegung bezeichnet man pazifistische, soziale Bewegungen, die Kriege und militärische Mittel aus der Politik ausschließen und Frieden ermöglichen wollen (vgl. Schmidt 2004). Friedensbewegungen gibt und gab es in vielen Ländern der Welt. Dabei unterscheiden sie sich in Strukturierung, ihren Zielen, aber nicht durch ihre Definition von Frieden (vgl. Buro 2011).

In Deutschland ist die Friedensbewegung in organisierter Form seit 1892, mit der Gründung der Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) aktiv. Nach der Zerschlagung durch die NSDAP und der Neugründung 1946 „fusionierte“ die DFG mit dem Verband Vereinigte Kriegsdienstgegner zur Deutsche Friedensgesellschaft -Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Die ganze Geschichte der DFG-VK kann hier nachgelesen werden.

Im Folgenden soll ein kurzer Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Friedensbewegung nach dem 2. Weltkrieg gegeben werden, welche alles andere als heterogen war. Diese moderne Friedensbewegung (Krysmanski 1993) vereinte nahezu alle sozialen Schichten und verbindet Friedensutopien und politischen Pragmatismus. Als soziale Bewegung wirkt sie als außerparlamentarischer Akteur aktiv auf das politische System ein (vgl. ebd.). Bedeutende Etappen bzw. Kampagnen waren:

Widerstand gegen Widerbewaffnung (1949-1955)

Der Widerstand gegen die Wiederbewaffnung durch die „Ohne-mich-Bewegung“ endete mit Beitritt der BRD zur NATO 1955. Von 1949 bis 1955 hatten bis zu 175 Organisationen, Arbeitskreise etc. antimilitaristische Argumente verteidigt und vorgetragen. Dabei gingen die Intentionen der einzelnen Akteure schon weit auseinander und reichten von gekränktem Nationalstolz bis zu antimilitaristischen Positionen. Dominierende Akteure waren der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Kirchen und politische Parteien. Die Wiederaufrüstung wurde weiter vorangetrieben, obwohl ein Großteil (80%) der Bevölkerung dagegen war.

Bewegung gegen Atomwaffen (Mitter 1950er-1960)

In der der zweiten Hälfte der 1950er Jahre regte sich Widerstand gegen die Idee der Bundesregierung (CDU/CSU), die Bundeswehr mit atomaren Trägersystemen auszurüsten. Proteste wurden getragen von der SPD, der evangelischen Kirche, Gewerkschaften und einzelnen Persönlichkeiten wie z.B. die 18 Atomphysiker der Göttinger Erklärung. Diese Akteure, vor allem die SPD und Gewerkschaften organisierten die Kampagne „Kampf dem Atomtod“ (vgl. Buro 2011: 116). 1959 löste diese Kampagne auf, weil DGB und SPD eine Volksbefragung ablehnten und das Aufstellen von Atomwaffen durch die USA tolerierten.

Ostermärsche, Für Demokratie und Abrüstung

Seit 1960 veranstalteten pazifistische Gruppen deutschlandweit Oster-Sternenmärsche. Daraus entstand eine „bundesweite, unabhängige, außerparlamentarische Opposition“ (Buro 2011:117). Aus unterschiedlichsten sozialen Milieus und politischen Lagern entwickelte sich ein Netzwerk lokaler Gruppen, welche die erste „neue soziale Bewegung“ der BRD darstellte. Diese nannten sich seit 1968 „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“. Von 1960 bis 1968 stieg die Zahl der Marsch- und Kundgebungsteilnehmer bei den Ostermärschen von 1.000 auf 300.000 (vgl. Otto 1983). Ziele wurden von der Kampagne „Kampf dem Atomtod“ übernommen, im Laufe der Zeit bezog diese immer mehr Bereiche der Probleme der Demokratisierung in ihre Arbeit ein (vgl. Buro 2011: 117). Anfang der 1970er Jahre löste sich die Bewegung durch Reformen in fast allen gesellschaftlichen Bereichen faktisch auf.

Gegen den NATO-Doppelbeschluss und Höhepunkt in den 1980er Jahren

Am 12.12.1979 fasste die NATO (North Atlantic Treaty Organizations) den NATO-Doppelbeschluss. Der Beschluss sah Verhandlungen mit der UdSSR vor. Dabei ging es um den Abbau von SS-20-Raketen, die auf Westeuropa gerichtet waren. Beim Scheitern der Verhandlungen sollte die USA Ende 1983 ebenfalls nukleare Mittelstreckenraketen (Pershing II) in Europa stationieren dürfen, was dann auch geschah. Durch diesen Beschluss gewann die Friedensbewegung erneut starken Zulauf. 1981 demonstrierten ca. 300.000 Menschen in Bonn gegen die NATO-Nachrüstung und stellten damit einen „Demonstrationsrekord“ in West-Deutschland auf. Am 22.Oktober 1983 demonstrierten ca.1,5 Millionen Menschen deutschlandweit gegen das Aufstellen neuer Raketen. Prägend waren dabei ziviler Ungehorsam und die gewaltfreien Aktionsformen. Es entstanden außerdem neue Diskussionen über Alternativen zum Kalten Krieg, und militärische Defensivkonzepte (vgl. Buro 2011: S.117).

Nach dem Kalten Krieg

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR stand die Friedensbewegungen vor einer neuen Herausforderung. Sowohl der Golf-Krieg 1991, der Krieg im ehemaligen Jugoslawien und der Bosnienkrieg 1993 bis 1995 zerschlugen die Hoffnungen auf einen dauerhaften europäischen und globalen Frieden (vgl. Buro 2011: 118f.). Es kam in Folge dessen zu Konflikten innerhalb der Friedensbewegung. Während die eine Seite militärische Interventionen grundlegend Ablehnten, befürwortete die andere Seite ein Eingreifen, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Ausblick:

Wie sich die Friedensbewegung seit den 2000er und in der Gegenwart aufgestellt hat und welche Ziele sie mit welchen Mitteln verfolgt wird Thema des nächsten Blogs werden.

 

Quellen:

Buro, Andreas (2009): Friedensbewegung. In: Hans J. Gießmann und Bernhard Rinke (Hg.): Handbuch Frieden. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 113–124.

Otto, Karl A. (1983): Die Friedensbewegung. In: Hermes Handlexikon. Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verlag, S. 296-297. Online: http://archiv.friedenskooperative.de/netzwerk/omhist.htm#marke01 (Stand: 26.11.16)

Schmidt, Manfred G. (2004) Friedensbewegung. In: Wörterbuch zur Politik. Stuttgart: Alfred Kröner-Verlag, S. 242-243.

Online:

http://www.tagesspiegel.de/politik/geschichte/geschichte-der-friedensbewegung-sonne-statt-reagan/1349992.html (Stand: 26.11.16)

Bilder:

http://www.dfg-vk-bayern.de/foto/3-Logo-DFG-VK-2011_10.jpg

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