Ein Text von: Maximilian Brauer, Sandra Drozdowski, Dominik Rath, Miriam Winklhöfer

Dass sich in der modernen Gesellschaft der Kapitalismus vollends in allen Lebensbereichen durchzogen hat, ist wohl unumstritten. So erkannte bereits Max Weber, dass Kapitalismus als schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens gilt und somit unser Handeln ebenso nach dieser Logik des Kapitalismus unterliegt. Diese Logik ist stets von Rationalisierungsprozessen wie Berechenbarkeit, Kalkulation und Verwaltung, als auch dem Streben nach einer Ansammlung und Steigerung von Kapital, welches in seinem Wachstum kein Finale nimmt, durchzogen (vgl. Weber 1920: 4). Voraussetzung für ein solches kontinuierliches Wachstum ist, dass Produktionsprozesse beschleunigt und Märkte vergrößert werden (vgl. Görg 2004: 96 ff. ). Doch gerät dieses ungehemmte Wachstum zunehmend ins Stocken, sowohl durch die Grenzen der biophysikalischen Systeme, als auch durch die voranschreitende Ausbeutung und die darauffolgende Erschöpfung der natürlichen Ressourcen – das sogenannte Peak, das Erreichen der Höchstfördermenge (vgl. Mahnkopf 2015: 62).

Gleichzeitig nimmt der Ressourcenverbrauch unter anderem auch durch die ansteigende Weltbevölkerung vor allem von nichterneuerbaren Naturschätzen zu und prekarisieren damit den Zugang zu diesen. Dieser Zuwachs an Verbrauch und Ausbeutung der Natur ist maßgeblich dem Fordismus und seinem Wohlstandsmodell der nördlichen Industriegesellschaften, geschuldet (vgl. Görg 2004: 97). Um diesen postfordistischen Kapitalismus durchsetzen zu können, musste die Gesellschaft neoliberal umstrukturiert und nach den Imperativen der Effizienz und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit herum aufgebaut werden (vgl. ebd.).

Dadurch veränderte sich auch der Umgang mit natürlichen Ressourcen, indem dieser immer stärker der Logik des Kapitalismus unterworfen ist; somit nach dieser erfolgt. Durch die modernen Produktionsstrukturen und neuen technologischer Verfahren erfahren die natürlichen Ressourcen eine ungekannte Inwertsetzung im Sinne der kapitalistischen Verwertungslogik (vgl. ebd.: 98). So erfolgt ein anderer Zugriff auf die Natur, womit diese zu Teilen strategischen Ressourcen werden.

Auf internationaler Ebene führte dies zu einem Kooperations-Konkurrenz-Paradox als elementarer Rahmen internationaler Umweltpolitik. Dieses Paradox entsteht u. a., weil zunehmend auf internationale politische Kooperation zum Thema Umweltschutz und -strategien gedrängt wird, gleichzeitig aber die internationalen mit den nationalen Umweltschutz-Abkommen konkurrieren und somit Spannungsverhältnisse schaffen. Diese Konkurrenz spiegelt sich gesondert in den Interessengruppen wieder: Die Länder und Gesellschaften welche zum Thema Umweltschutz beitragen wollen, haben jedoch auch teilweise stark abweichende Sichten darauf, wann und wie etwas als ein Umweltproblem wahrgenommen wird. So sieht beispielsweise die nördliche Industriegesellschaft eher eine „drohende ökologische Katastrophe“ als Hauptproblematik ihrer Umweltpolitik, südliche Gesellschaften in erster Linie aber eine Problematik in der „alltäglichen Sicherung des Lebensunterhalts“ (Görg 2004: 99 f.).

Umweltpolitik als globale Herausforderung und politisches Tätigkeitsfeld zu betrachten wird deshalb notwendig, da sowohl der individuelle als auch industrielle Energieverbrauch und der damit verbundene erhöhte Ausstoß von Treibhausgasen zu großen Teilen Ursache für die heute schon spürbaren Folgen der globalen Klimaerwärmung ursächlich sind. Die hohe Konzentration dieser Treibhausgase ist primär auf die Nutzung fossiler Brennstoffe so wie die großflächige Rodung von Land zur Erschließung neuer Nutzflächen zurückzuführen. Auch die Landwirtschaft trägt nicht unwesentlich zu dieser Entwicklung bei. (vgl. Becker 2007: 162 f.)

Dieser Problematik sollte nur auf internationaler Ebene begegnet werden, da sich dem Klimawandel national nicht entgegenstellt werden kann und innerhalb diesem Feldes ein riesiges, mitunter stark gegensätzliches Interesse aus Wirtschaft, Bevölkerung und politischer Macht besteht, das es miteinander zu vereinbaren gilt.

 

 

Becker, M. et. al. (2007). Globalisierung und Global Governance. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag GmbH

Mahnkopf, B. (2015). Peak Everything, das gefährliche Maximum. Atlas der Globalisierung, 62-63.

Görg, C. (2004). Ökologischer Imperialismus. Widerspruch 47: 95-107

Weber, M. (1972). Gesammelte Aufsätze zur Religionsoziologie 1. Thübingen: Mohr

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