Ein Text von: Jacqueline Leucker, Martin Tarara, Colin Schneider, Sven Lämmerhirt

Während der Zuspitzung des Ukraine-Konflikts fanden im März 2014 die ersten Montagsmahnwachen für den Frieden statt, die von Lars Mährholz organisiert wurden. Montagsmahnwachen gibt es Mittlerweile in 88 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (vgl. Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014). Sie protestieren unter anderem nach der russischen Besatzung der Krim gegen die NATO.

Das größte friedensbewegte Bündnis, die Kooperation für Frieden, sah ihre Chance auf höhere Teilnehmerzahlen und lud Mitte Dezember 2014 die Montagsmahnwache zu einer gemeinsamen Demonstration in Berlin ein (vgl. dpa /  Schuh). Nun protestieren traditionelle Organisationen wie Pax Christi, oder die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK) im Schulterschluss mit der nicht einmal ein Jahr alten, umstrittenen Montagsmahnwachen, die auf den Friedensdemonstrationen Podium und Gehör fanden (vgl. Jakob, 2014).

Die Montagsmahnwache sieht als zentrale Akteure im Ukrainekonflikt die US-Notenbank Federal Reserve, welche hinter der Kriegerischen Außenpolitik der USA steht. Die mediale Berichterstattung der europäischen- sowie der US-Regierungen sei verschleiert. So hatte Peter Feist auf einer Montagsmahnwache im Oktober  „Nationalen Sozialismus“ und „Knast für Journalisten“ gefordert (vgl. Jakob, 2014). In einer Befragung der Teilnehmer/innen der „Montagsmahnwache für den Frieden“ in Berlin, stimmten der Aussage: „das Amerika bzw. das amerikanische Militär ist nur der Knüppel der FED“, 21,1 Prozent voll und ganz zu. 30,5 Prozent stimmten überwiegend zu und 39,4 Prozent stimmten teils zu/ teils nicht zu. (vgl. Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014).

Die Publizistin Jutta Ditfurth erklärte in der 3Sat-Sendung Kulturzeit, dass die Demonstrierenden sich an rechtslastigen, anti-amerikanischen sowie anti-semitischen Argumentationsmustern bedienen. Die Teilnahme des ehemals linken Publizisten, Jürgen Elsässer, der eine Querfront beschwört, also eine zusammenarbeiten von Rechten und Linken, befeuert die Kritik weiter. Viele der Montagsmahnwachen-Teilnehmer/innen ordnen sich daher in kein politisches Lager ein.  (vgl. Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014).

Verschwörungstheoretiker/innen, wie etwa aus der Reichsbürgerbewegung,  nahmen an den Mahnwachen teil. So wie zum Beispiel Christoph Kastius, der unter anderem am 8. September 2014 eine Rede vor dem Berliner Reichstag gehalten hatte und dabei erklärte, „wir“ seien „1945 entmachtet“ worden (vgl. Jakob, 2014). Von den Reichsbürgern distanzierte sich die Montagsmahnwache jedoch später. Dennoch stimmten 37,1 Prozent der Aussage zu, die BRD sei kein souveräner Staat. 24,4 Prozent stimmten überwiegend zu und 24 Prozent stimmten dieser Aussage teils zu/ teils nicht zu. Doch auch andere Verschwörungstheoretiker/innen fanden in den Montagsdemonstrationen ihren Platz wie zum Beispiel Anhänger/innen des Glaubens an die Chemtrails, nach denen Kondensstreifen von Flugzeugen dazu genutzt würden, um die Bevölkerung zu vergiften (vgl. Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014).

(Tabelle vgl.: Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014)
(Tabelle vgl.: Daphi, Rucht, Stuppert, Teune, Ullrich, 2014)

Ein weiterer wichtiger Akteur, Ken Jebsen, der nach antisemitischen Äußerungen beim Sender RBB entlassen wurde, deklamiert sich immer wieder als frei von rechtem Gedankengut. Doch am 16. Februar bestritt er beim Interview mit dem Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer die „Alleinschuld der Deutschen für den Ersten Weltkrieg, für den Zweiten sowieso“. Kurz darauf verlinkte er einen Text der Israelgegnerin Evelyn Hecht-Galinski mit dem Titel: „Nicht die Kippa ist das Problem, sondern der Kopf darunter!“

Aufgrund dieser Problematiken warnen Vertreter/innen der alten Friedensbewegung, die linker Parteien und Organisation wie Attac und DIE LINKE, vor einer Beteiligung an den Protesten.

 

Quellen:

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