Ein Text von: Annika Kirmeß, Fabienne Huy, Naima Omari & Tim Schaumburg

„Das müssen Sie kritisch hinterfragen!“

… diese und andere Sätze haben wir während des Studiums schon zu Genüge gehört. Trotzdem halten wir es bei dem für den Reader der Vorlesung ausgewählten Text [1] für sinnvoll, kritisch mit der Quelle umzugehen. Die dramatisch anmutende Überschrift „Händler des Todes“ weckt zwar das Leseinteresse, berücksichtigt aber nicht, dass am Handel immer zwei Parteien beteiligt sind.

[1] Henken, L. (2012): Händler des Todes. URL: http://www.imi-online.de/2012/02/24/handler-des-todes/, letzter Zugriff am 15.11.2016, 16:43 Uhr.

1. Meeting:

Kassel. Samstag. 10 Uhr. Künstler-WG.

Während andere Studierende bereits ambitioniert erste Ergebnisse in mahara stellten, begannen wir unseren Arbeitsprozess nach einem reichhaltigen Frühstück. So endete das erste Treffen gesättigt und in freudiger Erwartung auf das nächste Treffen.

2. Meeting:

Kassel. Montag. 18:00 Uhr. UniKasselVersität.

3 Kilo Kekse, 5 Tassen Kaffee und einige Wutanfälle später: Es läuft.

… und jetzt mal ganz langsam – Analyse des Grundlagentextes

U-Boote, Panzer, Raketen – Tiger, Leopard und andere gefährliche Tiere

Im ersten Absatz werden die Lesenden mit einer wahren Flut von Zahlen konfrontiert. So wird darüber informiert, dass Deutschland in 2010 unter den TOP 5 der Waffenexporteure war und in 60 Länder exportierte. Obwohl keine Quellen genannt werden, sind alle Informationen in den Rüstungsexportberichten der Bundesregierung nachzulesen. So wird in diesen Berichten minutiös aufgelistet, welche Produkte in welche Länder zu welchen Konditionen exportiert wurden. Die Zahl von 1620 exportierten Kampfpanzern Leopard im Zeitraum 2001 – 2010 ist jedoch fehlerhaft, da nach unserer Recherche der Rüstungsexportberichte die Zahl bei 1641 liegt. [1] Der Einwand, man könne nicht mehr verwendungsfähige Bundeswehrwaffen verschrotten lassen, ist durchaus nachvollziehbar. Jedoch ist es wesentlich lukrativer, diese Panzer zu exportieren. Formulierungen wie „Der war ihr wohl zu peinlich“ und „plumpe Irreführung der Öffentlichkeit“ mögen zwar zu dieser Textsorte passen, wirklich stilistisch allerdings unpassend. Zu den genannten Hermesbürgschaften liegen uns weder Belege noch Quellen vor.

Exportschlager Massenvernichtung – „Zahlen belegen das“?!

Während die Lesenden nun mit Formulierungen wie „ein zweites brisantes Faktum blendet die Regierung in der Pressemitteilung völlig aus“ und der erschütternden Nachricht von bisher 1,5 Millionen getöteten Menschen durch Produkte der Firma Heckler & Koch fast vom Stuhl geworfen werden, versuchen aufmerksame Lesende aus dem Dickicht aus Zahlen schlau zu werden. Fraglich ist außerdem, warum sich der Autor später auf die „Politischen Grundsätze“ aus dem Jahr 2000 bezieht, wobei doch schon längst eine neuere Version von 2008 existiert.

Keinerlei Transparenz – Artikel 51 der UN-Charta als „Allzweckwaffe“?!

Spannungsgebiet – was ist das eigentlich? Eine leere Worthülse? Diese Frage bleibt im folgenden Abschnitt unbeantwortet. Vergleiche zeigen, dass weder genaue Daten bzgl. der politischen Begründung oder der genauen Legitimation explizit genannt werden. Dennoch werden unter Berufung auf Artikel 51 der UN-Charta die Lieferungen durchgeführt. Wo bleibt dabei der Sinn? 270 Panzer nach Saudi-Arabien zu exportieren, ist genauso hilfreich, als würde man einem Alkoholiker eine Kiste Bier in die Wohnung stellen. Darüber hinaus wird aus wirtschaftlichem Interesse und Wachstum ein ethisch-moralischer Zwiespalt.

Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor? – Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Für die unbescholtene Bevölkerung erscheinen die Umsatz- und Angestelltenzahlen, die ihnen in dem Artikel geliefert werden, zunächst ziemlich hoch und müssten von daher auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Deutschland darstellen. Diese These wird durch den Autor jedoch widerlegt. Der Umsatz von 16 Milliarden Euro, den die Rüstungskonzerne verzeichnen, seien ausschließlich 0,64 Prozent des BIPs. Ein „Verzicht auf Rüstungsproduktion wäre ökonomisch leicht verkraftbar“, so Henken. Im weiteren Verlauf erklärt er, dass sich auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegen Rüstungsexporte aussprechen würde. Laut der Emnid-Studie sprechen sich nämlich 78 Prozent bzw. 73 Prozent der Befragten gegen den Export von Waffen aus. Jedoch ist uns dabei aufgefallen, dass die Formulierungen der Fragestellungen bereits einen gewissen Ausgang der Studien steuern, allein in der Art und Weise, wie die Fragen gestellt wurden. „In den Kriegs- und Krisengebieten werden die meisten Menschen durch Pistolen, Gewehre und Maschinenpistolen getötet. Sollte Deutschland den Verkauf solcher Waffen ins Ausland grundsätzlich verbieten?“ Nachdem den Befragten also schon der negative Ausgang der Situation geschildert wurde, ist es doch ganz klar, dass sich eine große Mehrheit gegen den Waffenexport ausspricht.

[1] UNROCA (2016): United Nations Register of Conventional Arms. URL: https://www.unroca.org, letzer Zugriff am 15.11.2016, 16:59 Uhr.

IMI – Wer? Was? Wo?

Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V., mit Sitz in Thübingen, ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1996 als Vermittler zwischen Friedensbewegungen und der Wissenschaft versteht.

Die große Sinnfrage: Warum?!

Wir als Gruppe haben uns das Vorlesungsthema „Vom Tiger zu Leopard: Waffenexporte und Rüstungsindustrie in Kassel und Deutschland“ ausgesucht, da wir allesamt nicht allzu bewandert, aber neugierig waren, mehr über das Thema und seine unterschiedlichen Facetten zu erfahren. Zudem sprach uns an, dass man bei diesem Thema einen direkten Bezug zu Kassel bekommen konnten.

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